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  16.06.2009, 12:46    

Abstieg: Das irische Wirtschaftswunder ist vorbei

Hohes Wachstum, niedrige Arbeitskosten, Vollbeschäftigung: Dieser Dreiklang machte den Inselstaat in den letzten 20 Jahren zum Erfolgsmodell. Doch auf die vermeintlich endlose Party folgte Katerstimmung.

von Fabian Uebbing (Berlin)
Ernüchtert blicken die Iren auf die geplatzten Spekulationsblasen am Immobilien- und Finanzmarkt - und stellen fest: Ihr kleines Land hat bei seiner Aufholjagd zu tief ins Glas geschaut.
Die ökonomischen Daten geben Aufschluss über den bedrohlichen Zustand des Landes: Das Wachstum wich der dramatischen Schrumpfung, die Arbeitslosigkeit liegt inzwischen wieder über elf Prozent, irische Staatsanleihen lassen sich schwerer platzieren. Irland, über Jahre einer der stabilitätspolitischen Musterknaben in der Euro-Zone, droht die Schuldengrenzen des Maastricht-Vertrags zu sprengen.
"Die Situation in Irland ist gekippt, alle positiven Gründe für den früheren Aufstieg Irlands haben sich in ihr Gegenteil verkehrt", sagt Jens Boysen-Hogrefe, Ökonom am Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). "Irland steht einer Kombination von Problemen gegenüber: Einerseits ist die Immobilienblase geplatzt. Andererseits litt Irland auch unter dem Platzen der weltweiten Finanzblase", sagt Philip O'Connell, Volkswirt am Economic and Social Research Institute (ESRI) in Dublin.
Absturz nach Höhenflug   Absturz nach Höhenflug
Mithilfe der boomenden Finanzindustrie, eines beschäftigungsintensiven Bausektors und dank der englischen Sprache modernisierte sich das einstige Armenhaus Westeuropas seit 1987 im Rekordtempo. "Besonders US-Investoren nutzten damals diesen Sprachvorteil", sagt Ökonom Boysen-Hogrefe. Zwischen 1994 und 2001 setzte der keltische Tiger dann zu einem Sprung an, der das Land beim Pro-Kopf-Einkommen binnen kürzester Zeit an die europäische Spitze katapultieren sollte.
Irland profitierte lange von seinen im europäischen Vergleich geringen Lohnstückkosten. In der zweiten Hälfte der 90er-Jahre, den irischen Boomjahren schlechthin, lagen die Kosten stets unter dem Durchschnitt für die Euro-Zone. Wachstumsraten beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von durchschnittlich etwa sieben Prozent pro Jahr seit den späten 80ern bescherten Irland ein Wirtschaftswunder.
Es profitierte von großzügigen Zuwendungen aus den EU-Strukturfonds - und lockte erfolgreich internationale Unternehmen mit besonders niedrigen Steuersätzen. Die Deregulierung des Banken- und Finanzsektors beschleunigte das Wachstum der Branche. Auch das für Irland zu niedrige Zinsniveau der Europäischen Zentralbank (EZB) nach dem Start der Währungsunion förderte die Bildung von Spekulationsblasen.

Teil 2: Wachstumsraten von fünf Prozent waren normal

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    © 2009 Financial Times Deutschland
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