Der Schock über den "Jäger" sitzt noch immer tief. Unter diesem Titel hatte der Däne Thomas Rathsack vor einigen Wochen seine Erlebnisse als Soldat in Afghanistan zu Papier gebracht. Das Buch ist verhältnismäßig kurz, aber voller sensibler Details zu den Einsätzen jener Eliteeinheit, der er einst angehörte. Vergeblich versuchte Militärchef Tim Sloth Jörgensen, die Veröffentlichung des Werks zu stoppen. Als der "Jäger" in einer arabischen Fassung im Internet auftauchte, sahen sich die höchsten Offiziere in ihren Befürchtungen bestätigt, dass dieses Buch eine enorme Gefahr für die gut 500 am Hindukusch stationierten dänischen Soldaten darstellt.
Seit Donnerstag mischt sich in ihre Sorge allerdings eine gehörige Portion Scham. Da kam nämlich heraus, dass nicht der Feind sich um die Übersetzung bemüht hat, sondern die eigenen Truppen.
Das brachte nicht nur den obersten Militär in höchste Bedrängnis, sondern auch Verteidigungsminister Sören Gade. Der bot seinen Rücktritt an für den Fall, dass tatsächlich ein Soldat hinter der Übersetzung steckt.
Doch es war kein Verräter am Werk, sondern ein Fälscher. Und ein plumper dazu: Linguisten sprachen von einem nur schwer lesbaren Kauderwelsch. Der Verantwortliche habe offenbar einfach das Übersetzungswerkzeug von Google über den Originaltext laufen lassen. Bei dem Mann handelt es sich um den IT-Chef des dänischen Militärs, Jesper Britze. Seinen Job ist er inzwischen los. Interne Ermittlungen hatten ergeben, dass der Offizier die Spuren auf seinem Computer nicht gründlich genug verwischt hatte. Auch hatte er offenbar nicht damit gerechnet, dass einer seiner Mitarbeiter das Dokument dem Boulevardblatt "B.T." zuspielt. "Ich bedauere, dass der Text auf diese Weise den Weg an die Öffentlichkeit gefunden hat", sagte Britze, als alles schon zu spät war. Er habe es nur getan, um zu zeigen, wie gefährlich das Buch sei und wie schnell es in die Hände der Taliban geraten könne. Mit diesem abstrusen Motiv erinnert Britze ein wenig an den früheren US-Außenminister Colin Powell, der mit gefälschten Beweisen der Welt weismachen wollte, der Irak besäße Massenvernichtungswaffen. Was den dänischen Verteidigungsminister indes nicht daran hinderte, wegen Britzes Begründung vom Rücktritt zurückzutreten. Wie lange er das durchhält, ist fraglich: Am Donnerstagabend gestand sein Pressereferent die Weitergabe der arabischen Version an Journalisten.
Weitere Untersuchungen sollen nun klären, ob Britze womöglich doch auf Befehl von oben gehandelt hat. An der Haltung des Militärs zu dem Buch ändert die Peinlichkeit aber nichts. Chef Jörgensen nennt es weiter eine "Gebrauchsanweisung für die Taliban". Dabei wird in Afghanistan gar kein Arabisch gesprochen.