Tschechiens Präsident Vaclav Klaus
Die Regierung in Prag weiß, dass sie den Ratsvorsitz mit einem dreifachen Handicap antritt: Sie muss permanent mit Störfeuer ihres EU-Verächters an der Staatsspitze rechnen und wird ständig an der bravurösen Vorstellung des politischen Wirbelwinds aus Paris gemessen werden. Und hat bei vielen Partnern - zumindest was Europa angeht - den Ruf einer unerfahrenen Mannschaft.
Alexandr Vondra, als Vizepremier der Regisseur des tschechischen Ratsvorsitzes, versucht, aus der misslichen Lage des Beste zu machen. "Die operative Zuständigkeit für die Europapolitik liegt allein bei der Regierung, nicht beim Präsidenten", stellt der ehemalige Außenminister klar. "Wir sind zwar keine Supermacht, wir verfügen nicht über Atom-U-Boote und haben keinen ständigen Sitz im Sicherheitsrat", sagt er. Und spricht sich dann Mut zu. "Aber es ist keine schlechte Ausgangslage, als Underdogs zu starten. Da können wir unsere Partner nur positiv überraschen."
Die Regierung von Premierminister Mirek Topolanek hat sich viel vorgenommen: "Europa ohne Barrieren" heißt das Präsidentschaftsmotto, letzte Hürden im freien Waren- und Personenverkehr sollen bis zur Jahresmitte fallen. Die Weltfinanzreform will vorangetrieben, Europas Energieversorungssicherheit verbessert werden. Außerdem stehen das Schmieden einer strategischen Partnerschaft mit den EU-Ostanrainern und das Erneuern der transatlantischen Kooperation unter dem neuen US-Präsidenten Barak Obama auf der Agenda. Alles riesige Herausforderungen. Dennoch ist man in den Prager Ministerien sicher, dass es nach zwei Jahren harter Vorarbeit nun losgehen kann. "Wir sind bestens vorbereitet", sagt ein hoher Beamter.