Angefeindet: Politikerin Andrea Matt
Die Affäre hat Liechtensteins 15 Banken und 250 Treuhandkanzleien das Geschäft mit Steuerflüchtlingen aus Deutschland und der ganzen Welt kaputt gemacht. Sie zwingt das Fürstentum mit seinen 35.000 Einwohnern, 45.000 Stiftungen und mehr als 100 Mrd. Euro verwaltetem ausländischem Vermögen, sein über Jahrzehnte ehern gehütetes Bankgeheimnis aufzubrechen. Widerwillig Abschied von einem Modell zu nehmen, das Milliarden gebracht hat.
Walter Matt kann nicht fassen, dass die gute alte Zeit vorbei sein soll. "Wir dürfen nicht zulassen, dass wir geköpft werden", poltert der Treuhänder und klopft wutentbrannt auf seinen Schreibtisch. "Ohne Bankgeheimnis und Steuerattraktivität geht hier alles vor die Hunde." Der 75-Jährige, nicht verwandt mit Andrea Matt, lebt seit fünf Jahrzehnten von der Gründung und Verwaltung von Stiftungen. Nun sieht er seine Branche in ihrer Existenz bedroht. "Wenn alles dem Finanzamt gemeldet wird, wer Geld hier hat, dann können wir alle zumachen", ruft Matt mit hochrotem Kopf. Dann reißt ihn der Zorn aus seinem Sessel: "Das ist tödlich! Einfach tödlich!"
Noch sind sie lebendig, die Institute, die ein bitterarmes Bauernland zum reichsten Staat Europas gemacht haben. Hinter dem Vaduzer Ortseingang drängen sie sich auf wenigen Hundert Metern zusammen: Centrum Bank, VP Bank, Liechtensteinische Landesbank (LLB), LGT Treuhand, Principal Vermögensverwaltung.