Es ist weit nach Mitternacht, als Jutta Haug am Dienstagmorgen das Brüsseler Europaparlament verlässt. Drinnen, in den Verhandlungsräumen, sind die Böden mit Krümeln übersät, die letzten Sandwiches seit Stunden aufgegessen. Haug, die Haushaltsexpertin der SPD im Europaparlament, ist wütend und frustriert. Gerade sind die Verhandlungen über das EU-Budget 2011 zwischen den Parlamentariern und dem Rat der Mitgliedsstaaten gescheitert, erstmals seit 23 Jahren steht die Union ohne einen Haushaltsplan da. Nun muss sie wohl ein Notbudget aufstellen. Mitten in der Irland-Krise steckt Brüssel in einem eigenen, lähmenden Finanzchaos.
Europa macht also das, was es am besten kann: streiten. Über Kompetenzen und Prinzipien. Doch diesmal geht es um mehr. Gut möglich, dass der Streit um das EU-Budget in etwa das ist, was die Kapelle auf der "Titanic" war: die Musik zum Untergang. Denn seit Tagen ficht Europa einen viel bedrohlicheren Kampf aus: Wieder einmal geht es um den Euro, die Gemeinschaftswährung, ja die Zukunft des europäischen Projekts.
Die Lage ist ähnlich brisant wie im Mai, als die EU-Staatschefs um die Hilfen für Griechenland rangen. Auf den ersten Blick geht es diesmal um Hilfen für Irland, doch hinter den Kulissen schauen die Beteiligten längst angstvoll weiter: Es geht um die Rettung von Portugal - im schlimmsten Fall sogar schon um Spanien.