Schuldenstaat
Die Gründe für das portugiesische Desaster
Auch unter Oliveiras Kunden wächst die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren. Es wächst die Sorge, um den Wohlstand gebracht zu werden, den sie sich in den vergangenen Jahren mühsam aufgebaut haben. Und es wächst der Ärger, dass sich andere dabei die Taschen füllen. "Es sind am Ende wieder die Eliten, die am besten dastehen", wettert Oliveira.
Von Revolution oder Aufruhr wie in Griechenland indes ist in den Straßen der Altstadt von Almada nichts zu spüren. Dabei ist die 160.000-Einwohner Stadt eine alte Hochburg der Kommunisten. Sie liegt am Südufer des Rio Tejo und ist durch eine riesige Brücke mit der Hauptstadt Lissabon verbunden.
Wie unter einem Brennglas bündeln sich hier die Probleme der Vergangenheit, aber auch die Hoffnungen auf eine bessere Zukunft. Denn eines ist vielen Portugiesen klar: Auch sie haben über ihre Verhältnisse gelebt. Auch sie sind verwundbar geworden. Doch eines wollen sie trotzdem nicht sein: das nächste Griechenland. Und geschummelt haben sie schon gar nicht. "Unsere Krise ist ganz anders", sagt Ulisses Garrido, Vorstandsmitglied des größten portugiesischen Gewerkschaftsbunds CGTP. "Aber wir sind den gleichen spekulativen Attacken ausgesetzt: Portugal ist nach Griechenland dran. Spanien steht an dritter Stelle auf der Liste."
Der freundliche runde Herr im beigen Polohemd ist in diesen Tagen der Mann, der den Widerstand organisiert. Die Wut vieler Portugiesen auf die Spekulanten ist auch eine gute Gelegenheit, die eigene Basis auszubauen. Zehntausende Mitglieder hat der den Kommunisten nahestehende CGTP in den vergangenen Jahren verloren. Nun wird gekämpft.