Rasim Ljajic, serbischer Minister für die Zusammenarbeit mit dem Uno-Kriegsverbrechertribunal, präsentiert auf einer Pressekonferenz das Foto des verhafteten Radovan Karadzic
Dass der 63-Jährige gerade jetzt gefasst worden ist, hängt auch mit der neuen proeuropäischen serbischen Regierung zusammen. Ministerpräsident Mirko Cvetkovic liegt viel daran, zu demonstrieren, dass er die Zusammenarbeit mit dem Haager Kriegsverbrechertribunal ernst nimmt. Denn nur so steigen die Chancen auf einen schnellen Beitritt zur Europäischen Union.
Jahrelang ist Karadzics Tarnung nahezu perfekt. Zuletzt praktiziert der Gesuchte in der Trabantenstadt Neu-Belgrad unter dem Namen Dragan Dabic in einer Privatpraxis als Spezialist für Alternativmedizin. "Der Arzt behandelt, die Natur heilt", steht auf seiner Visitenkarte. Mitarbeiter und Patienten haben keine Ahnung, wer sie behandelt. Karadzic bewegt sich frei durch Belgrad, geht zu öffentlichen Veranstaltungen und besucht sogar Verwandte.
Ende Juni haben die Fahnder alle nötigen Informationen zusammen. Am Montag greifen sie zu. Weitere Details über die Verhaftung wollen Minister und Staatsanwalt nicht verraten. Auch Karadzics Aufenthaltsort in den vergangenen Jahren bleibt vorerst ein Geheimnis. Die Ermittler erhoffen sich Hinweise auf den Verbleib der ebenfalls als Kriegsverbrecher angeklagten Ratko Mladic und Goran Hadzic. Nach Angaben des Belgrader Untersuchungsrichters Milan Dilparic ist für die Auslieferung Karadzics an das Uno-Kriegsverbrechertribunal bereits "alles erledigt". Spätestens Mitte nächster Woche soll er in Den Haag eintreffen.