Italiens Ex-Notenbankchef Antonio Fazio
In Italien ist der für seine Attacken gegen ausländische Geldinstitute bekannte Notenbankchef Antonio Fazio zwar abgesetzt worden - doch sein Nachfolger Mario Draghi ruft bereits wieder nach einer Verschärfung der Vorschriften für die Übernahme italienischer Unternehmen.
EU-Kommission in Alarmbereitschaft
"Der Protektionismus zeigt sein hässliches Gesicht", sagt Eric Chaney, Volkswirt bei der Investmentbank Morgan Stanley in Paris. Italiens Wirtschaftsminister Giulio Termonti warnt bereits, Europa riskiere "Folgen wie im August 1914" - eine Anspielung auf den übersteigerten Nationalismus vor dem Ersten Weltkrieg, der den alten Kontinent in Schutt und Asche legte.
Keine Frage: In der Wirtschaftspolitik ist die Nation auf dem Vormarsch. Dadurch wird ein Grundpfeiler der Europäischen Union erschüttert. Die Errichtung eines gemeinsamen Marktes mit dem freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Personen und eben auch von Kapital ist eines der wichtigsten Ziele der Gemeinschaft. Die Europäische Kommission, Hüterin der Verträge, ist in höchster Alarmbereitschaft. Es steht ein Showdown zwischen Brüssel und den Einzelstaaten bevor.
Dabei war die EU ein gutes Stück auf dem Weg der Liberalisierung vorangekommen. Seit Gründung der Union in Rom 1957 wurden Zollschranken abgebaut, Handelshemmnisse beseitigt und Märkte liberalisiert. Mit Erfolg: Ehemals staatliche Sektoren wie Telekommunikation, Post und Energie wurden - auch auf Druck aus Brüssel - für den Wettbewerb geöffnet.
Es kam zu grenzüberschreitenden Fusionen, die vor wenigen Jahren undenkbar schienen. Der britische Mobilfunker
Vodafone übernahm den traditionsreichen deutschen Mannesmann-Konzern, der schwedische Energieversorger
Vattenfall schluckte die Berliner Bewag. Selbst in der sensiblen Luftverkehrsbranche kam man sich näher -
Air France kaufte die niederländische Fluggesellschaft KLM.