Gordon Brown als Hardliner: "Wo immer sofortige disziplinarische Maßnahmen nötig sind, werde ich diese ergreifen"
Gordon Brown gibt nun den Hardliner. "Wo immer sofortige disziplinarische Maßnahmen nötig sind, werde ich diese ergreifen", schrieb der Premier am Sonntag in der Zeitung "News of the World". "Jeder Bürger kann sicher sein, dass ich das System komplett aufräumen werde."
Bei Worten belässt es der Premier nicht mehr. Am Samstag schloss seine Labourfraktion den Abgeordneten David Chaytor aus, der fälschlicherweise 13.000 Pfund für eine schon abbezahlte Hypothek eingesteckt hatte. Und der frühere Landwirtschaftsminister Elliot Morley wurde von Brown höchstpersönlich suspendiert.
Brown muss entschlossen handeln; andernfalls könnte es irgendwann einmal auch um seinen Kopf gehen. Denn einen solchen Spesenskandal hat Großbritannien noch nicht gesehen. Seit anderthalb Wochen enthüllt die Zeitung "Daily Telegraph" Tag für Tag, wie britische Politiker das Spesensystem zu ihren Gunsten ausgenutzt haben. Und es ist nicht nur die Regierung, die am Pranger steht. Es ist nicht nur eine Partei, die am Spesentopf erwischt wurde. Es geht nicht um einen kleinen Kreis von Übeltätern. All das hat es immer mal gegeben, in Großbritannien wie anderswo.
In diesem Skandal jedoch steckt die gesamte britische Politikelite: quer durch alle Parteien, Ränge, Funktionen. Das gesamte Parlament steht blamiert da, ist plötzlich diskreditiert - und all das zu allem Überfluss auch noch inmitten der schwersten Wirtschaftskrise, die das Land seit Jahrzehnten gesehen hat.