Romano Prodis Regierung wackelt mehr denn je
Prodi wandelt stets am AbgrundSie haben Macht, denn Prodi ist im Senat, einer der beiden Parlamentskammern, auf jede Stimme angewiesen - und das nutzen sie aus, bei jeder Gelegenheit hämisch kommentiert von Berlusconi. Immer wieder findet sich Prodi kurz vorm Abgrund wieder; einmal fiel er schon hinab, als er im Frühjahr eine Abstimmung zur Außenpolitik verlor und kurzzeitig zurücktreten musste. Prodi kam gleich wieder ins Amt - seine Mehrheit blieb dieselbe schwache. Heute wackelt seine Regierung mehr denn je.
Der Grund dafür ist hausgemacht. Prodi läuft Gefahr, von seinem eigenen Projekt überrollt zu werden, das ihm eigentlich eine stabilere Machtbasis sichern sollte: Auch auf der Linken soll es eine neue Partei geben, die Partito Democratico, die die gemäßigten Kräfte links der Mitte vereint, die bisherigen Democratici di Sinistra (DS), die Margherita-Partei und ein paar kleinere Formationen. Die "Demokratische Partei" würde eine 30-Prozent-plus-Partei - damit hätten die Linken erstmals eine größere Parlamentsfraktion als Berlusconis Forza Italia, die bisher die meisten Abgeordneten einer einzelnen Partei stellt.
Der bisherige DS-Chef Piero Fassino verspricht noch viel mehr: "Die Demokratische Partei wird ein essenzielles Instrument, um die Regierung Prodi zu stärken", verspricht er. Wenn sich das Parlament im neuen Jahr tatsächlich auf ein neues Wahlrecht einigen kann, das die Großen bevorzugt und die Splitterparteien bestraft, könnte die Demokratische Partei noch stärker werden. Das gehört zum Plan der neuen Linken, und dafür ist Fassino bereit, sein DS-Amt aufzugeben - "gerne sogar", sagte er am Freitag in kleiner Runde. Kommendes Wochenende können die Italiener direkt den neuen Parteichef wählen, Ende Oktober wird die neue Partei offiziell gegründet.