Der britische Premierminister Gordon Brown spricht vor Labour-Anhängern in Stratford, London am 07.06.09
Gordon Brown, seit 2007 Premierminister Großbritanniens, will einfach nicht gehen. Dabei will ihn eigentlich keiner mehr haben, seine Parteibasis nicht, das Land erst recht nicht. Der Pastorensohn aus Glasgow ist endgültig zum politischen Paria abgestiegen. Lächerliche 15,3 Prozent holte seine Labour-Partei bei der Europawahl am Wochenende: Platz drei hinter den Tories und den bizarren Europakritikern der UK Independence Party. Das schlechteste Wahlergebnis der einst so stolzen Partei seit einem Jahrhundert.
Die brutale Wirtschafts- und Finanzkrise, der irrwitzige Spendenskandal um britische Politiker, die Rücktrittswelle unter seinen Ministern und nun die katastrophalen Ergebnisse bei den Kommunalwahlen am vergangenen Donnerstag und bei der Europawahl am Sonntag - das Aus für den Regierungschef scheint nur eine Frage der Zeit. Doch Brown weigert sich zu gehen. Und seine Parteigenossen trauen sich noch nicht, ihn aus dem Amt zu jagen - aus Angst vor dem totalen Absturz: von "New Labour", der Partei, die einst die Sozialdemokraten in ganz Europa verzauberte, hinab in die politische Bedeutungslosigkeit.