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Merken   Drucken   09.06.2009, 12:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Düstere Tage für Mr. Brown

Dossier Spesenskandal, Ministerrücktritte, politische Fehler - und nun auch noch das Debakel bei der Europawahl. Das Sündenregister reicht eigentlich für das Karriereende des Labour-Chefs. Doch Gordon Brown klammert sich verbissen an sein Amt. von Titus Kroder (London)
Nein, er will bleiben. Egal, was noch kommt. Als Gordon Brown  im Londoner Stadtteil Limehouse vor die Schar Fans tritt, zeichnet sich die Katastrophe bereits ab. Schlimmer, als er das erwartet hatte. Fertig wirkt er, die Gesichtszüge eingefallen, die kleinen Augen müde. Mit eingezogenem Kopf brummt er an diesem Sonntagnachmittag seinen letzten Getreuen ein paar Worte zu. Durchhalteparolen für das zu erwartende Debakel bei der Europawahl. Aber zurücktreten? Nein.
"Was würden die Leute über eine Labour-Regierung sagen", dröhnt er mit seiner Bassstimme - und macht eine Kunstpause. "Was würde unser Land über eine Labour-Regierung denken, die mitten in der größten Wirtschaftskrise, mitten in einer großen politischen Krise einfach von Bord geht?"
Der britische Premierminister Gordon Brown spricht vor ...   Der britische Premierminister Gordon Brown spricht vor Labour-Anhängern in Stratford, London am 07.06.09
Gordon Brown, seit 2007 Premierminister Großbritanniens, will einfach nicht gehen. Dabei will ihn eigentlich keiner mehr haben, seine Parteibasis nicht, das Land erst recht nicht. Der Pastorensohn aus Glasgow ist endgültig zum politischen Paria abgestiegen. Lächerliche 15,3 Prozent holte seine Labour-Partei bei der Europawahl am Wochenende: Platz drei hinter den Tories und den bizarren Europakritikern der UK Independence Party. Das schlechteste Wahlergebnis der einst so stolzen Partei seit einem Jahrhundert.
Die brutale Wirtschafts- und Finanzkrise, der irrwitzige Spendenskandal um britische Politiker, die Rücktrittswelle unter seinen Ministern und nun die katastrophalen Ergebnisse bei den Kommunalwahlen am vergangenen Donnerstag und bei der Europawahl am Sonntag - das Aus für den Regierungschef scheint nur eine Frage der Zeit. Doch Brown weigert sich zu gehen. Und seine Parteigenossen trauen sich noch nicht, ihn aus dem Amt zu jagen - aus Angst vor dem totalen Absturz: von "New Labour", der Partei, die einst die Sozialdemokraten in ganz Europa verzauberte, hinab in die politische Bedeutungslosigkeit.
Vorläufiges Ergebnis der Europawahlen in Großbritannien   Vorläufiges Ergebnis der Europawahlen in Großbritannien
Auf der Insel herrscht so etwas wie eine politische Endzeitstimmung. Nicht wenige fühlen sich an die letzten Tage der Eisernen Lady Margaret Thatcher erinnert, die einst von ihren Parteigenossen gestürzt wurde. Ihr folgte zwar John Major, doch der Machtverlust der Konservativen nach 18 Jahren Regierungszeit war besiegelt. Ähnliches könnte nun auch Labour passieren - nach zwölf Jahren in 10 Downing Street.
Immer offener formiert sich die Rebellion gegen Brown. Zeitweise war der 58-Jährige zur Geisel des eigenen Kabinetts geworden, machtlos im eigenen Haus. Er wollte seinen für sein Krisenmanagement international gelobten Finanzminister Alistair Darling  feuern und durch den treuen Erziehungsminister Ed Balls ersetzen. Doch Darling ging nicht, drohte stattdessen mit Rücktritt. Genauso Außenminister David Miliband .

Teil 2: Labour ist "beklagenswert gescheitert"

  • Aus der FTD vom 09.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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