Zwei Minuten, vielleicht drei. Länger braucht man nicht, um diesen Ort zu durchfahren. Mauren, Fürstentum Liechtenstein. 3097 Einwohner, zwei Bäckereien, ein Supermarkt. Dazu eine Kirche, eine Schule, ein Bauunternehmen. Ab und zu braust ein Auto vorbei an den alten Bauernhäusern aus Holz, aber fast nie hält eins an. So als wollten die Fahrer den Bewohnern signalisieren: Nichts wie weg hier, denn bei euch im Dorf hat er doch gelebt: Heinrich K., jener Mann, der den deutschen Geheimdienstlern möglicherweise die gestohlenen Daten Hunderter mutmaßlicher Steuerhinterzieher verkauft hat.
Drüben im Gasthaus "Zum Hirschen" sitzen sie, essen Geschnetzeltes - und diskutieren: "Wie konnte Heinrich das nur tun?" Das Haus, in dem er aufwuchs, liegt nur ein paar Hundert Meter vom Hirschen entfernt, ein schmuckloser Bau mit heller Steinfassade und Fensterläden aus Holz. Die Eltern waren früher Stammkunden hier. "Ich kenne ihn", sagt Markus Bühler, der bullige Wirt. "Für uns ist er ein Landesverräter." Und eine Frau poltert: "Der wird keinen Fuß mehr in unser Land setzen."
Die Zweifel, ob Heinrich K. tatsächlich der gesuchte Informant ist, werden täglich größer. Denn der BND soll auch über Daten von einer zweiten Bank verfügen, an die K. nicht hätte herankommen können. Doch Liechtenstein hat seinen Buhmann gefunden. Es passt ja auch so gut: Heinrich K., ein Verlierertyp, ein "Schnorrer", der immer Pech hatte im Leben. Ganz Liechtenstein wüsste nur zu gern, wo der 42-Jährige jetzt ist. In Australien vielleicht, wie es zunächst hieß? Oder im schweizerischen Bellach, wie das Boulevardblatt "Blick" vermutet? Staatsanwalt Robert Wallner jedenfalls sucht nach ihm, auch wenn er seinen Namen nicht nennen mag - wegen Verletzung des Betriebsgeheimnisses der fürstlichen LGT Bank zugunsten des Auslands.