Vlaams-Belang-Fraktionschef Gerolf Annemans, Parteichef Frank Vanhecke, der flämische Fraktionsvorsitzende Filip Dewinter und Anke Vandermeersch, ehemalige Miss Belgien (v.l.)
Der kahl geschorene Mann mit der Hinterkopf-Tätowierung und den Springerstiefeln trägt nur unter den Fingernägeln Trauer. Aber die ältere Dame neben ihm im schwarzem Faltenrock stört das kaum. Sie ist erleichtert: Gerade hat sie noch einen der letzten Sitzplätze in Antwerpens überfüllter Kathedrale ergattert. Und so darf sie Karel Dillen gleich die letzte Ehre erweisen, anders als Hunderte Menschen draußen vor der Tür, die nicht mehr hineinpassen.
Die Totenmesse für den rechtsnationalistischen Politiker ist ein gesellschaftliches Ereignis in Flandern, Belgiens niederländischsprachigem Norden. Vier Fernsehteams sind an diesem sonnigen Mai-Samstag gekommen, an die 2000 Besucher drängen sich im Gotteshaus zusammen.
Ganz vorne sitzt die Führungsriege von Dillens Partei Vlaams Belang. Hinten über 120 Aktivisten, die dem Leichenwagen Spalier gestanden haben mit ihren Parteibannern. Dazwischen die einfachen Mitglieder, die Sympathisanten. Und als der fahnengeschmückte Holzsarg hineingetragen wird, schnellen sie alle hoch, gleichzeitig, wie auf Kommando. "Wir sind hier, um Abschied zu nehmen von einem großem Mann", sagt der Pfarrer. Es wirkt wie ein Staatsbegräbnis. Aber es ist keines. Auf Dillens Sarg liegt nicht die schwarz-gelb-rote Trikolore, Belgiens Nationalflagge. Sondern ein schwarzer Löwe auf gelbem Grund: die Fahne Flanderns. Karel Dillen war kein Freund Belgiens. Er war erklärter Staatsfeind.
Kamele durch die Stadt getrieben
"Belgien zerspringe", lautete der Schlachtruf des Vlaams Blok ("flämischer Block"), der rechtsradikalen Separatistenpartei, die Dillen 1977 ins Leben rief. 2004 verbot Belgiens oberster Gerichtshof die Organisation - wegen Rassismus. Beeinträchtigt hat sie das kaum, noch am selben Tag gründete sie sich neu, als Vlaams Belang ("flämisches Interesse"), mit denselben Prinzipien, demselben Personal, demselben Parteislogan.