Erschöpft sitzt der Bundestagsabgeordnete in der Limousine des Fahrdiensts auf dem Weg zum Berliner Flughafen Tegel. Viele Tage hat er an dem Rettungspaket für Griechenland gearbeitet, nun will er nach Hause zu Frau und Kindern. Es ist Freitagnachmittag, 15.30 Uhr. Zuvor hat der Bundestag nach einer hitzigen Debatte die Griechenhilfen beschlossen, 22,4 Mrd. Euro muss Deutschland bis 2012 bereitstellen, um das Mittelmeerland vor der Pleite zu retten. Nun keimt Hoffnung auf, denn das Paket ist groß und müsste die Märkte beruhigen.
Doch was passiert, wenn auch Portugal und Spanien in den Strudel der Spekulationen geraten? "Dann", sagt der Abgeordnete und schnauft, "dann ist es aus. Dann sind wir im Arsch." Wieder eine Pause. "Dann sind wir im Arsch, ich kann es nicht anders sagen." Der Mercedes hat Tegel erreicht. "Ich flieg jetzt nach Hause", sagt der Abgeordnete, "schönes Wochenende."
Es ist der Nachmittag vor dem Treffen, das über den Fortbestand der Währungsunion entscheidet - oder ihren Untergang. Die Kernschmelze des Weltfinanzsystems, vergleichbar nur mit der Lehman-Pleite zuvor, zeichnet sich deutlich ab. In einer denkwürdigen Telefonkonferenz der Finanzminister und Notenbankchefs der G7-Staaten wird Alarm geschlagen. Die Notenbanker, die das Marktgeschehen im Minutentakt verfolgen können, berichten von Problemen. Am Geldmarkt kommt es zu Engpässen unter anderem bei der Versorgung mit Dollar. Der Handel mit europäischen Staatsanleihen bricht Land für Land ein. Der Euro verliert Tag für Tag mindestens einen Cent zum Dollar. US-Finanzminister
Timothy Geithner drängt die Europäer, klare Zeichen zu setzen.