Provokateur aus PrinzipUnd doch reichte allein die Ankündigung dieses Streifens, um das Land in Angst und Schrecken zu versetzen und die Regierung dazu zu bewegen, die zweithöchste Terrorwarnstufe auszurufen. Weil die Niederländer fürchten, ihnen könne es ergehen wie den Dänen, deren Botschaften gestürmt wurden, nachdem eine Zeitung Karikaturen des Propheten Mohammed veröffentlichte. Weil sich Parallelen zur Ermordung des Regisseurs Theo van Gogh aufdrängen. Und vor allem, weil Wilders eine außergewöhnliche PR-Kampagne um sein Werk gestrickt hat. "Wenn man mit so einem schlechten Film die Medien so auf Trab hält, dann ist das schon eine Leistung", sagt der Politologe Andre Krouwel über Wilders.
Der Mann aus dem Städtchen Venlo an der deutschen Grenze ist Provokateur aus Prinzip. So hat es der 44-Jährige auf eine Million Einträge bei der Suchmaschine Google gebracht - doppelt so viele wie Regierungschef Jan Peter Balkenende. Nicht schlecht für einen langjährigen Hinterbänkler, den Parlamentskollegen als "blonden Engel" verspotteten - wegen seines fahlgelben, mit Wasserstoffperoxid gefärbten, hochtoupierten Haarschopfs.
Die Vermarktung von "Fitna" ist Wilders' Meisterstück. Über Monate hinweg schaffte er es, die Aufmerksamkeit aufrechtzuhalten. Alles begann am 28. November 2007, als das Boulevardblatt "De Telegraaf" vermeldete, Wilders arbeite an einem kritischen Kurzfilm über den Koran. Zwei Tage später legte Wilders nach, nannte das heilige Buch des Islam eine Quelle für Mord und Intoleranz. Nun brannte die Lunte. Wilders zog sich zurück, überließ das Feld den Gegnern.
Syriens Großmufti machte den Rechtspopulisten bei einer Rede vor dem Europäischen Parlament für ein bevorstehendes Blutvergießen verantwortlich. Malaysias Botschafterin in den Niederlanden prophezeite "Dutzende Tote", Ministerpräsident Balkenende fürchtete um die öffentliche Ordnung.