Blick auf Reykjavik, die Hauptstadt von Island
Die Krise. Sie durchdringt alles und jeden auf der Insel. Wie der eiskalte Polarwind, der die Menschen in diesem besonders düsteren Winter noch enger zusammenrücken lässt. Sie beherrscht die Gespräche, wenn die Isländer abends in ihren geliebten Hot-Tubs-Badezubern zusammensitzen und erzählen, wer heute wieder seinen Job verloren hat. Um danach in ihr neues Eigenheim zu fahren, an dem schon das "For Sale"-Schild im Wind baumelt.
"Wir hatten einfach zu viel Freiheiten", sagt Svala Georgsdottir. "Wir brauchen wieder Regeln und Gesetze." Die 30-jährige alleinerziehende Mutter hat gerade ihren Job bei der Stadt Reykjavik verloren. Wie viele ihrer Landsleute glaubt sie, dass das Heil nach den Jahren grenzenlosen Konsums in der Rückkehr zu Grundwerten liegt. "Wir brauchen wieder Moral", sagt Svala. Vorbei die Zeit der großen Partys: Bodenständigkeit statt Björk und Biergelage.
Wie unter einem Brennglas werden auf der Insel die Folgen der Finanzkrise sichtbar. Hier wird offenbar, was passiert, wenn ein System, das niemand verstand, von dem aber alle profitierten, über Nacht zusammenbricht. Wie diese Katastrophe das Leben jedes Einzelnen durchdringt und am Ende die ganze Gesellschaft ins Wanken bringt. Und wie die Suche nach den Ursachen in eine Hexenjagd mündet.