Seit der Finanzkrise hat der Klimaschutz nicht mehr oberste Priorität
Am Ende verständigen sich Europas Staatenlenker nur mit Ach und Krach darauf, dass sie bei ihrem nächsten Gipfel im Dezember einen neuen Klimakompromiss verabschieden. Wie dieser im Detail aussehen, wer die Lasten tragen soll, darüber wird nun in den Hinterzimmern verhandelt. Fest steht aber schon eins: Die Anhänger eines rigorosen Klimaschutzes müssen Abstriche machen. "Die Finanzkrise wird die Umsetzung der Klimapläne verzögern", sagt Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). "Es wird für die Industrie voraussichtlich Sonderregelungen geben, die ohne diese Krise nicht durchgehen würden."
Sonderregelungen, Verzögerungen. Klingt nach Brüsseler Kompromissen, gar nicht mehr nach großer Vision. Dabei ist es gerade anderthalb Jahre her, da wollte dieses Europa die weltweite Führungsrolle beim Klimaschutz übernehmen. Im Frühjahr 2007 vereinbarten die EU-Staatenlenker unter Merkels Präsidentschaft das Ziel "20-20-20": den CO2-Ausstoß bis 2020 um 20 Prozent zu drosseln, 20 Prozent Energie zu sparen und den Anteil erneuerbarer Energien auf 20 Prozent zu steigern. Und als die Kanzlerin wenig später beim G8-Gipfel in Heiligendamm US-Präsident George W. Bush überzeugte, sich schrittweise zur Reduzierung des Treibhausgasausstoßes zu bekennen, da schien der ersehnte globale Durchbruch greifbar nahe. Merkel ließ sich als "Klimakanzlerin" feiern.