Ehrgeiz und Willenskraft hat der Franzose tatsächlich gezeigt - und dabei für Europa einige Erfolge erzielt. Nach dem Ausbruch des Kriegs zwischen Russland und Georgien betätigte sich der Ratsvorsitzende kurz entschlossen und ohne Rücksprache mit allen anderen EU-Regierungen als Pendeldiplomat und vermittelte zwischen Moskau und Tiflis eine Waffenruhe. Hat er damit sein Mandat überschritten? Barsch wischt er den Vorwurf vom Tisch. "Ich hatte kein Mandat" , sagt Sarkozy. "Aber die russischen Truppen hatten auch kein Mandat." Gezählt habe einzig, die "russischen Panzer zu stoppen, die 40 Kilometer vor Tiflis standen". Gestandene Außenpolitiker loben Sarkozy dafür. "Was wäre wohl aus der russisch-georgischen Krise geworden, wenn nicht ein so gewichtiges Land die EU-Präsidentschaft innegehabt hätte?", fragt Europaparlamentarier Elmar Brok.
In der EU erntet Sarkozy für seine Aktion vorwiegend Applaus. "Nie zuvor wurde Europa mit so einer Intensität geleitet", jubelt Jean-Claude Juncker, Luxemburgs Premier und dienstältester Regierungschef der EU. Und Kommissionschef Barroso flötet auf die Frage, ob Sarkozy nicht auf Dauer die Geschäfte in Europa führen sollte: "Ich würde jedenfalls dafür stimmen."
Die Finanzkrise hat diesen Eindruck noch verstärkt. Als nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers die Banken wanken und die Aktienkurse stürzen, weiß Sarkozy die Situation für sich zu nutzen: Wendet er die Kernschmelze des Weltfinanzsystems ab, ist er auf absehbare Zeit die unbestrittene Nummer eins in der EU. Bei einem Pariser Gipfeltreffen der 15 Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone - eine Premiere - legt Sarkozy den Grundstein für einen beispiellosen EU-Rahmenplan zur Bankenrettung. Wenige Tage später nicken alle 27 EU-Staats- und Regierungschefs koordinierte nationale Kapitalspritzen und Darlehensgarantien ab im Volumen von unvorstellbaren 2000 Mrd. Euro.