Bis Montag muss ein Ergebnis her beim Schuldenschnitt. Entscheidender Punkt ist die Höhe des Zinskupons - wo sich ein Kompromiss abzeichnet.
von Reinhard HönighausBerlin
Die griechische Regierung hat in ihren Verhandlungen mit Banken, Versicherern und Fonds über einen Schuldenschnitt am Mittwoch Fortschritte erzielt. Nach einem derzeit vorliegenden Entwurf würden die Anleger für die neuen Anleihen, die sie bei einer Umschuldung erhalten sollen, über die Laufzeit der Anleihen einen durchschnittlichen Zinssatz von 4,25 Prozent erhalten. Das sei "ein Zinssatz, mit dem die Banken leben könnten", sagte ein Verhandlungsteilnehmer der Financial Times. Der Zinskupon soll demnach zu Beginn der Laufzeit drei Prozent betragen und zum Ende der Laufzeit auf 4,5 Prozent steigen. "Es liegt wieder etwas Zuversicht in der Luft", hieß es aus mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen.
Griechenlands Premier Lucas Papademos und Finanzminister Evangelos Venizelos hatten die vergangene Woche noch ausgesetzten Gespräche mit Charles Dallara wieder aufgenommen. Dallara vertritt die im Weltbankenverband IIF organisierten Gläubiger. Die griechische Regierung will bei den Verhandlungen erreichen, dass die Schulden des Landes bei privaten Anlegern von heute rund 205 Mrd. Euro um 100 Mrd. Euro reduziert werden. Einen entsprechenden Abschlag von 50 Prozent auf ihre Anleihen hatten Banken und Fonds auf Druck der Politik im Herbst auch zugesichert. Doch der Zinssatz für die im Tausch ausgegebenen neuen Anleihen ist heftig umstritten.
Der IIF verlangte zuletzt mindestens fünf Prozent Zinsen. Bei dem aktuellen Angebot mit einem durchschnittlichen Zins von 4,25 Prozent würden Anleihegläubiger einen Abschlag von 68 Prozent auf den Gegenwartswert ihrer Forderungen hinnehmen. Deutschland und andere Geldgeber hatten auf einen Satz von drei Prozent gedrungen, was auf einen Abschlag auf den Gegenwartswert von 80 Prozent hinausläuft. "Es gibt noch keinen Durchbruch", hieß es aus Verhandlungskreisen. Die Euro-Finanzminister verlangen ein Ergebnis bis Montag. Danach sollen die Details eines zweiten Hilfsprogramms über 130 Mrd. Euro verhandelt werden, das von den Mitgliedern des Rettungsfonds EFSF und vom Internationalen Währungsfonds gebilligt werden muss.
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