Ein Polizist bewacht das griechische Finanzministerium in Athen
Denn bei der Veranstaltung, die am Mittwoch großes Thema in den Zeitungen und auch im griechischen Fernsehen war, kamen weitere Einzelheiten zur Praxis der Steuerhinterziehung ans Licht: Der vor einigen Wochen zurückgetretene Generalsekretär der Elektronischen Datenverarbeitung des Athener Finanzministeriums, Diomidis Spinellis, sagte auf der Konferenz: Bei der griechischen Steuerhinterziehung spielt das System "40 Prozent-40 Prozent-20 Prozent" zumindest aus seiner Sicht eine entscheidende Rolle.
Anschließend, so sagte er vor den Teilnehmern des Seminars, geschieht nach der Feststellung einer Steuerhinterziehung mitunter Folgendes: 40 Prozent dürfe der Steuersünder behalten, 40 Prozent lande in die Taschen der Kontrolleure, und der Staat bekomme am Ende 20 Prozent der Steuern, die für dieses Steuerdelikt eigentlich bezahlt werden sollten. Spinellis wollte nicht bestätigen, dass dies der Grund für seinen Rücktritt gewesen sei.
Dass es so sein könnte, wie er es beschrieb, zeigt die Reaktion des Finanzministeriums. Die Behörde beantragte bei der Staatsanwaltschaft von Athen, eine Untersuchung solle diese Informationen klären; notfalls sollen juristische Schritte eingeleitet werden.
Schon der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte bei seinem jüngsten Bericht die Steuerhinterziehung als entscheidenden Grund für die dramatische Finanzlage des Landes genannt. Der Kampf dagegen gehe weiterhin nur schleppend voran.