Merken
Drucken
14.12.2011, 10:37
Schriftgröße: AAA
Amoklauf in Lüttich:
Polizei findet Frauenleiche im Haus des Attentäters
© Bild:
2011 AFP/ Belga
Ein vorbestrafter Waffennarr warf Granaten und schoss auf Besucher eines Weihnachtsmarktes - auch ein Kleinkind erliegt seinen Verletzungen. Vor seinem Amoklauf hat der Todesschütze offenbar eine weitere Frau umgebracht.
Vor seiner Bluttat hat der Attentäter von Lüttich bereits eine Frau getötet. Die Staatsanwaltschaft bestätigte gegenüber belgischen Nachrichtenagentur Belga entsprechende Medienberichte. Die Leiche einer um die 40 Jahre alten Frau sei in einem Schuppen nahe der Unterkunft des Täters Nordine A. gefunden worden. Der Radiosender RTBF berichtete am Morgen, es handle sich um die Putzfrau des Amokläufers.
Der vorbestrafter Waffennarr, der auf Bewährung in Freiheit war, hatte am Dienstag in der Nähe des Weihnachtsmarktes drei Menschen und sich selbst getötet. Bei der Tat starben eine 15-Jährige und ein 17-Jähriger. Ein erst 17 Monate altes Kleinkind erlag am späten Dienstagabend seinen schweren Verletzungen. Am Mittwoch teilte die Staatsanwaltschaft der belgischen Stadt mit, eine zunächst für tot erklärte 75 Jahre alte Frau habe überlebt. Außerdem seien 125 Menschen verletzt worden. Das Motiv des Mannes ist unklar.
Tote und Verletzte
Attentat stürzt Belgien in Trauer
Der Attentäter war nach Justizangaben 2008 wegen unerlaubten Waffenbesitzes und Drogenhandels zu knapp fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Polizei hatte in seinem Haus 9500 Waffenteile, zehn Waffen und 2800 Cannabispflanzen entdeckt.
Nach offiziellen Angaben hätte der Todesschütze am Dienstag im Justizpalast nahe des Tatorts erscheinen müssen. Der 33-Jährige eröffnete - offenbar auf dem Weg zu dem Gerichtstermin - laut Staatsanwaltschaft an einer Bushaltestelle das Feuer auf eine Menschenansammlung und zündete Handgranaten.
Zunächst hatten Medien, Polizisten und Augenzeugen von zwei oder drei Attentätern gesprochen. Augenzeugen berichteten von einer Verfolgungsjagd in der City von Lüttich, bei der immer wieder Schüsse gefallen seien. Die Polizei dementierte dies erst Stunden später. Auch Meldungen, ein zweiter Täter habe sich in den Justizpalast geflüchtet, erwiesen sich als falsch.
Nordine Amrani, der Attentäter von Lüttich
Das Motiv blieb im Dunkeln. Einen terroristischen Hintergrund schloss das Innenministerium von Anfang an aus. Der Straftäter sei wegen seiner Gewaltdrohungen polizeibekannt gewesen, aber nicht wegen terroristischer Aktivitäten, sagte Staatsanwältin Danièle Reynders.
Der Angreifer verließ nach Darstellung der Staatsanwaltschaft am späten Vormittag mit dem Wagen seine Wohnung in Lüttich und hatte dabei einen Revolver, eine Kalaschnikow und Granaten in einem Rucksack dabei. An einer Bushaltestelle auf der Place Saint-Lambert - wenige Meter von einem gut besuchten Weihnachtsmarkt entfernt - habe er gegen 12.30 Uhr wahllos in die Menge gefeuert. Anschließend habe er sich mit einer Granate in die Luft gesprengt - möglicherweise unabsichtlich, wie der Lütticher Staatsanwalt Cédric Visart de Bocarmé der Nachrichtenagentur Belga sagte.
Teil 2: "Da war eine Massenpanik"
-
FTD.de, 14.12.2011
© 2011 Financial Times Deutschland,
Bookmarken
Drucken
Senden
Leserbrief schreiben
Fehler melden