Die Krise in Griechenland sorgt erneut für Turbulenzen an den Finanzmärkten. Die Aktienkurse rutschten am Montag tief in die Verlustzone, nachdem der Internationale Währunfgsfonds (IWF) Griechenland mangelnden Reformeifer vorgeworfen hatte. Der DAX schloss 2,8 Prozent im Minus bei 5.416 Punkten. Zuvor war der deutsche Leitindex zeitweise um fast vier Prozent eingebrochen. Der Euro Stoxx 50 ging mit einem Minus von 2,9 Prozent aus dem Handel. Der Euro gab um mehr als ein Prozent nach.
Mit Spannung wurden die Ergebnisse einer Telefonkonferenz des griechischen Finanzministers Evangelos Venizelos mit Vertretern der Troika aus IWF, Europäischer Zentralbank und Europäischer Union erwartet. Athen verhandelt mit seinen Geldgebern über die Freigabe einer 8 Mrd. Euro schweren Kredittranche aus dem im Mai 2010 aufgelegten Rettungspaket. Fließt das Geld nicht bis Ende Oktober, droht Griechenland die Zahlungsunfähigkeit.
Finanzminister Venizelos zeigte sich am Montag zu harten Einschnitten bereit. Dazu gehört nach seinen Worten auch die Schließung von unrentablen Unternehmen, die von staatlichen Subventionen abhängen - bis zum Jahresende. "Die Zeit drängt. Wir müssen in wenigen Wochen Reformen durchführen, die wir Jahrzehnte lang nicht gemacht haben", sagte der Finanzminister auf einer Konferenz des britischen Wirtschaftsmagazins "Economist".
Die Berechnungen der Regierung, die von zusätzlichen Einnahmen in Höhe von 2 Mrd. Euro ausgeht, stoßen bei der Troika aber auf Skepsis. Nach Angaben eines griechischen Regierungsbeamten rechnen die Geldgeber lediglich mit 1 Mrd. Euro.
Die Troika dringt auf eine Beschleunigung der Reformen. Sie droht mit der Sperrung der nächsten Kredittranche, nachdem Anfang des Monats ein weiterer Fehlbetrag von mehr als 2 Mrd. Euro bekannt wurde. Die Geldgeber bestehen darauf, dass Athen seine Zusage einhält, das Staatsdefizit in diesem Jahr auf 7,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zurückzuführen.
"Wir können nicht ohne eine echte Umsetzung der Haushaltsreformen weitermachen und wir sind spät dran", sagte Venizelos. "Wir müssen Ende Dezember einen Kassenbestand haben, der im Rahmen der Ziele liegt."
Die Ungewissheit über Griechenland belastete auch die Wall Street: Der Standardwerte-Index Dow Jones und der breiter gefasste S&P 500 fielen um bis zu zwei Prozent.
Die Kurse griechischer Staatsanleihen brachen ein. Die Renditen von Zehnjahrespapieren, die sich entgegengesetzt zu den Preisen bewegen, kletterten um 1,8 Prozentpunkte auf 23,0 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Kosten für die Absicherung gegen einen Zahlungsausfall Griechenlands mittels CDS-Kreditausfallderivaten: Für die Absicherung griechischer Staatsanleihen im Wert von 10 Mio. Euro wird nach Angaben des Datendienstleisters Markit anstelle der üblichen jährlichen Prämie mittlerweile eine Vorauszahlung von 6,05 Mio. Euro verlangt. Das sind 0,3 Mio. Euro mehr als noch am Freitag.
Teil 2: Opposition gegen Sparkurs