Die norwegische Polizei hat einen Verdächtigen für die Anschläge in Oslo und auf der Ferieninsel Utøya festgenommen. Norwegische Medien zufolge heißt er Anders Behring B. und ist "nationalistisch und antimuslimisch".
von Frank BremserFrankfurt
Der Attentäter von Oslo und Utøya ist nach Angaben norwegischer Medien ein 32-Jähriger Norweger, der sich selbst als "nationalistisch und antimuslimisch" bezeichnet. Sie identifizieren ihn als Anders Behring B.. Die Polizei bestätigte den Namen jedoch nicht. Der Verhaftete kooperiert mit der Polizei und will auch eine Aussage machen. Er habe bisher nicht im Blickfeld der Polizei gestanden. Auch gehöre er keiner bekannten rechtsextremen Gruppierung an.
"Er kam aus dem Nichts", zitiert die Nachrichtenagentur AP einen norwegischen Polizisten. Die Polizei ermittelt zwar weiter, sucht aber nicht nach einem konkreten zweiten Täter. Zwischenzeitlich hatte norwegischen Medien berichtetet, dass die Polizei aufgrund von Augenzeugen-Berichten nach mindestens einem weiteren Verdächtigen Ausschau halte.
Oslo und Utöya
Anschläge in Norwegen
Der zur Zeit Verhaftete sei bereit auszusagen, man stehe aber vor "äußerst umfassenden und langfristigen Ermittlungen". Der Verdächtige wurde direkt nach den Anschlägen festgenommen. Polizisten zeigten sich erstaunt, dass er sich nach der Tat nicht selbst erschossen habe. Der Verhaftete war am Freitagabend kurz vor dem Osloer Bombenanschlag in der Nähe des Tatorts gesehen worden. Kurze Zeit später sei er als Polizist verkleidet auf der Ferieninsel Utøya eingetroffen.
Dort sagte er norwegischen Medien zufolge, der Besuch sei nach den Anschlägen in Oslo eine Routine-Sicherheitskontrolle. Auf der Insel, die gut eine Autostunde von der Hauptstadt entfernt ist, habe er dann auf die anwesenden etwa 560 Mitglieder der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Partei geschossen. Einer Augenzeugin zufolge sagter er kurz davor: "Ich werde jeden kriegen" Medienberichten zufolgen soll er dabei auch Jugendliche, die vor dem Massaker ins Wasser flüchteten, erschossen haben. Später fand die Polizei nicht detonierten Sprengstoff auf der Insel, der wahrscheinlich dem Attentäter gehörte.
Norwegische Medien berichten, dass die Polizei um Mitternacht die Wohnung des Verdächtigten durchsucht habe. Die Zeitung "Verdens Gang" zitierte einen Freund des Mannes mit den Worten, dieser sei vor einigen Jahren zum Rechtsextremisten geworden und habe in Internetforen nationalistische Ansichten vertreten. Ein von ihm angelegtes Facebook-Profil wurde am Freitagmittag offline gestellt. Diesem Profil zufolge ist er Fan des Fußballvereins FK Lyn und spielt World of Warcraft, als Hobbies gibt er unter anderem Lesen und die Jagd an. Lieblingsbücher sind unter anderem 1984 von George Orwell und der Prozess von Franz Kafka. Außerdem gab er an, sich für Bodybuilding, konservative Politik und Freimaurerei zu interessieren. Bis 2007 war er B. Mitglied der Norwegischen Fortschrittspartei.
Kurz vor den Anschlägen meldete sich B. bei Twitter an und verschickte eine einzige Mitteilung, und zwar ein Zitat des britischen Philosophen John Stuart Mill: "One person with a belief is equal to the force of 100.000 who have only interests", auf deutsch: "Eine Person mit Glauben hat so viel Kraft wie 100.000, die nur interessiert sind".
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