In Spanien wanken die Banken. In Italien schießen die Risikoaufschläge für Staatsanleihen nach oben. Europaweit trocknen die Geldmärkte aus. Und all diese Probleme landen bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Steht die Währungsunion am Abgrund, muss sie einspringen: Sie erleichtert den Banken Zugang zu Milliardendarlehen, kauft im großen Stil Papiere von Krisenstaaten und senkt so deren Zinsdifferenz.
Doch nun könnte die Retterin bald selbst hilfsbedürftig werden. Das jedenfalls legt eine Studie der EZB-Gewerkschaft Ipso nahe. Sie hat die 1500 Notenbank-Mitarbeiter zu ihrer Arbeitsbelastung befragt. 715 haben geantwortet - und das meist nicht sonderlich positiv. Ihnen droht ein Burnout.
Die chronische Überlastung vieler Mitarbeiter provoziere ein "ernstes potenzielles operatives Risiko für die EZB", schreibt Gewerkschaftsboss Marius Mager an Bankpräsident Mario Draghi. Schuld sei die "steigende Zahl von Langzeitabwesenheiten", ausgelöst beispielsweise durch "Ländermissionen" oder Krankheiten aufgrund von "Stress". Die Umfrage zeige, dass "die EZB nicht angemessen mit Personal ausgestattet ist, um ihre gegenwärtigen Aufgaben zu erfüllen, von künftigen, immer wichtigeren Aufgaben ganz zu schweigen".
Tatsächlich hat die Schulden- und Bankenkrise das Arbeitspensum in der Notenbank deutlich erhöht: Um die Reform- und Sparprogramme zu kontrollieren, sind EZB-Mitarbeiter andauernd in Europas Krisenstaaten unterwegs, sind Teil der Troika aus Zentralbank, Internationalem Währungsfonds und der EU-Kommission.
Sind die Märkte unter Druck, ist Nacht- und Wochenendarbeit in der Frankfurter Zentrale inzwischen Routine. 80 Prozent der Befragten beklagen die hohe Arbeitsbelastung. Fast 20 Prozent geben an, die Arbeitszeit beeinflusse ihr Leben massiv. 16 Prozent sagen gar, der Stress habe "ernste" Folgen für Gesundheit und Privatleben.
Doch Entspannung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Mit dem Euro-Beschluss, eine Bankenaufsicht bei der EZB anzusiedeln, droht noch mehr Arbeit. Mitte Juni stellte Draghi bei einer Mitarbeiterversammlung deshalb schon mehr Personal in Aussicht. Intern ist die Rede von 50 bis 60 Stellen. Offiziell wird die Zahl nicht bestätigt: Das Direktorium wisse das hohe Engagement der Mitarbeiter zu schätzen und habe Maßnahmen getroffen, um das Wohlbefinden der Beschäftigten zu sichern - und natürlich den reibungslosen Geschäftsablauf.