FTD.de » Politik » Europa » Oettinger will Zwangspolice für AKW
Merken   Drucken   04.10.2012, 19:53 Schriftgröße: AAA

Atomkraft: Oettinger will Zwangspolice für AKW

Der EU-Energiekommissar will die Betreiber von Atomkraftwerken für die beim Stresstest festgestellten Mängel in die Pflicht nehmen. Oettingers Plänen zufolge sollen AKWs zwingend versichert werden - den Verbrauchern droht ein weiterer Strompreisanstieg.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Armin Weigel
Der EU-Energiekommissar will die Betreiber von Atomkraftwerken für die beim Stresstest festgestellten Mängel in die Pflicht nehmen. Oettingers Plänen zufolge sollen AKWs zwingend versichert werden - den Verbrauchern droht ein weiterer Strompreisanstieg.
von Brüssel, Düsseldorf und Köln

Betreiber von Atomkraftwerken in Europa sollen nach den Plänen von EU-Energiekommissar Günther Oettinger Versicherungen gegen AKW-Unfälle abschließen müssen. "Ich denke, dass bestimmte Versicherungspflichten verbindlich vorgeschrieben werden sollten", sagte Oettinger am Donnerstag in Brüssel bei der Vorstellung der Ergebnisse des ersten europaweiten Stresstests für Atommeiler. Ziel sei, dass "mögliche Opfer eines nuklearen Unfalls in Europa entschädigt werden" und die Betreiber haften.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU)   EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU)

Details im Frühjahr

Setzt sich der CDU-Politiker mit seinem Vorschlag durch, müssen die Verbraucher mit einem zusätzlichen Strompreisanstieg rechnen. Die Kosten für die Versicherungen dürften Energieversorger an ihre Kunden weitergeben. "Mein Auftrag ist nicht, durch Sicherheitsdumping Strompreise billig zu halten", sagte Oettinger. Detaillierte Vorschläge für eine Versicherungspflicht will der Kommissar im kommenden Frühjahr vorlegen.

In Deutschland gibt es schon eine Versicherungspflicht für AKW. Allerdings sind mögliche Schäden durch einen Unfall in einem der Meiler nur im Umfang von 2,5 Mrd. Euro abgedeckt. Darüber hinaus haftet der Betreiber unbegrenzt mit seinem Vermögen. Ist dieses aufgezehrt, bleiben die Kosten am Staat hängen.

Problem der Haftungsregeln

Bevor eine allgemeine Versicherungspflicht eingeführt wird, müssten erst die Haftungsregeln in Europa vereinheitlicht werden, hieß es aus der Assekuranz. "In Frankreich haften die Betreiber nur mit 100 Mio. Euro", sagte ein Versicherungsmanager der FTD. Für eine privatwirtschaftliche Deckung müsse es eine Obergrenze geben - sonst könne man keine Versicherungen anbieten. Selbst dann sei es nötig, dass Staaten einen Teil der Haftung übernehmen. Oettinger bezeichnete eine Haftungsobergrenze am Donnerstag als denkbar.

Dem Stresstest zufolge müssen die Betreiber praktisch sämtlicher Atomkraftwerke in der EU in zusätzliche Sicherheitssysteme investieren. Geschlossen werden muss kein AKW. Als Konsequenz aus der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 müssten vor allem der Erdbebenschutz und die Hochwassersicherheit verbessert werden, hieß es. Die Kommission schätzt, dass dies insgesamt 10 bis 25 Mrd. Euro kostet. Bei ihrem Gipfel Mitte Oktober wollen sich die Staats- und Regierungschefs mit dem Bericht befassen. Brüssel kann den AKW-Betreibern nicht vorschreiben, ihre Kraftwerke nachzurüsten.

  • Aus der FTD vom 05.10.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler