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Merken   Drucken   16.09.2011, 11:00 Schriftgröße: AAA

Autoantrieb der Zukunft: Biosprit ist nutzlos für die Umwelt

Es war zu schön, um wahr zu sein. Gleich drei zentrale Umweltprobleme der Menschheit, so die Hoffnung, sollten einfach durch den Einsatz von Biosprit zu lösen sein.
© Bild: 2011 DPA/Bildfunk/Marius Becker
Leitartikel Es war zu schön, um wahr zu sein. Gleich drei zentrale Umweltprobleme der Menschheit, so die Hoffnung, sollten einfach durch den Einsatz von Biosprit zu lösen sein.
Endliche fossile Rohstoffe sollten durch Treibstoff aus immer wieder nachwachsenden Pflanzen abgelöst werden. Die Entstehung von Treibhausgasen sollte abnehmen. Und nicht zuletzt sollte die Abhängigkeit der Wirtschaft von Ölförderländern sinken.
Der Traum von solch einem Wundermittel hat sich nicht erfüllt. Nun hat sogar die EU-Kommission das in einer Studie festgestellt - nur ignoriert sie leider deren Schlussfolgerung: Biosprit nutzt zwar Bauern und Unternehmen viel, der Umwelt aber nichts.
Um die Kohlendioxidbelastung des Biosprits abzuschätzen, reicht es nicht zu messen, welche Menge des Treibhausgases aus dem Auspuff kommt. Das ist genauso naiv wie zu behaupten, ein Elektroauto sei umweltfreundlich, weil seine Energie aus der Steckdose kommt statt aus der Tankanlage - selbst wenn der Strom mehrheitlich von Atommeilern und Kohlekraftwerken erzeugt wird. Die von der EU in Auftrag gegebene Studie hat jetzt den sogenannten Iluc-Factor definiert, um die Auswirkung der Biospritherstellung auf die Landnutzung in die CO2-Kalkulationen einzubeziehen.
Das macht die Rechnung zwar nicht einfacher, aber ehrlicher. Demnach ist Biosprit grob gesagt so umweltschädlich wie herkömmliches Benzin oder Diesel. Wenn Sprit aus Raps, Palmöl oder Soja aber nicht dem Klima nutzt, gibt es keinen Grund mehr, deren Anbau und Einsatz mit Millionensubventionen zu fördern. Umso skandalöser ist es, wenn die zuständigen EU-Kommissare für Energie und Klima - Günther Oettinger und Connie Hedegaard - diesen Faktor ignorieren wollen. Ihre Energiepolitik basiert offenbar mehr auf Ideologie und Agrarlobbyeinfluss als auf Fakten.
Brüssel und Berlin wollten es sich zu einfach machen. Sie hofften, das Klima zu retten, ohne jemandem wehzutun: Die Bauern erhielten neue Absatzmöglichkeiten, die Autohersteller mussten ihre Technik kaum umstellen, die Mineralölwirtschaft konnte ihre Vertriebsstruktur beibehalten. Wie schon bei der Solarenergie macht die Politik den teuren Fehler, nur auf eine spezielle Technologie zu setzen und sie zu fördern.
Dabei wäre es sinnvoller, nicht den Weg vorzugeben, um ein Ziel zu erreichen, sondern das Ziel selbst - etwa durch CO2-Grenzwerte oder die finanzielle Bestrafung von hohem Verbrauch unabhängig von der Technologie. Nur dann kann ein Wettbewerb um Innovationen und Kosteneffizienz entstehen. Das nützt dann nicht nur dem Klima, sondern auch der Wirtschaft - zumindest jenen, die zu Neuem bereit sind und nicht am Alten festhalten wollen.
  • Aus der FTD vom 16.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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