Im Wahlkampf kaum gefordert: Tony Blair
Blair könnte der erste Labour-Premier in der Geschichte seiner Partei werden, der eine dritte Amtszeit in Folge gewinnt. In einer am Mittwoch in der Zeitung "The Times" veröffentlichten Umfrage lag Labour bei 41 Prozent. Die oppositionellen Konservativen konnten demnach lediglich auf 27 Prozent der Stimmen zählen, die Liberaldemokraten auf 23 Prozent. Damit schienen auch die jüngsten Angriffe der Opposition zur Irakpolitik der Regierung keine Auswirkung auf den Vorsprung von Labour zu haben.
Bis zum Schluss wurde Blair im Wahlkampf vom Irakkrieg verfolgt - dem Thema, das seine Strategen aus dem Wahlkampf heraushalten wollten. Angehörige britischer Soldaten, die im Irakkrieg gefallen sind, hatten am Dienstag eine unabhängige Untersuchung zur Rechtmäßigkeit des Krieges gefordert. "Wir haben eine Untersuchung nach der anderen gehabt. Ich fürchte, es ist nicht vernünftig, ewig damit weiterzumachen", sagte Blair dazu in einem Interview.
Irakkrieg spielt in Umfragen untergeordnete Rolle
Der Spitzenkandidat der konservativen Tories, Michael Howard, warf Blair am Mittwoch erneut vor, die Bürger beim Thema Irak und in vielen anderen Fällen belogen zu haben. Doch Umfragen zufolge spielt der Irak für die meisten Wähler nur eine untergeordnete Rolle. Wichtiger ist ihnen die Verbesserung des Gesundheitswesens. Zudem profitiert Labour von der guten Wirtschaftslage.
Trotz des fast sicheren Sieges birgt die Unterhauswahl für Blair Gefahren: Davon, wie deutlich der Vorsprung tatsächlich ausfällt, hängt nach Ansicht der meisten politischen Beobachter ab, wie schnell Blair seinen Stuhl als Regierungschef für einen Nachfolger räumen muss. Wiederholt hat Blair erklärt, dass die dritte Amtszeit seine letzte sein soll.
Gordon Brown lauert auf seine Chance
Am Mittwoch schloss der Regierungschef einen baldigen Abtritt ausdrücklich aus. Im britischen Gesundheits- und Schulsystem, aber auch auf dem internationalen Parkett gebe es noch viel für ihn zu tun, sagte Blair. Als wahrscheinlichster Nachfolger des Premierministers gilt sein innerparteilicher Rivale Gordon Brown, der in seiner Regierung derzeit Schatzkanzler ist.
"Diese Wahl ist zu einem Referendum über Blair geworden", sagte Bill Jones von der Manchester University. Sein Kollege Phil Cowley aus Nottingham sagte, Blair werde zunehmend Schwierigkeiten haben, sich gegen Quertreiber in den eigenen Reihen zu behaupten, wenn Labour keine übermäßig große Mehrheit an Unterhausmandaten einfahren sollte.