Die europäische Bankenaufsicht EBA ist offenbar in großer Sorge über die knappe Kapitalausstattung europäischer Banken. Nach FTD-Informationen setzt sie sich deshalb für schnellere Kapitalspritzen für angeschlagene Geldinstitute ein.
EBA-Chef Andrea Enria forderte in einem Brandbrief an den Rat der europäischen Finanz- und Wirtschaftsminister, dass der europäische Rettungsschirm EFSF fortan direkt Geld an Banken geben darf, um sie vor Schieflagen zu retten. Der 725 Mrd. Euro schwere Rettungsfonds würde damit zum Miteigentümer der Geldhäuser. Bisher darf der Krisenfonds nur Geld an einzelne Länder verleihen. Die Staaten können es aber, wie im Fall Irlands, an ihre Finanzinstitute weiterreichen. Die EFSF könnte bei Verwirklichung von Enrias Vorschlag künftig bei Bedarf schneller handeln als bislang und damit notleidende Banken mit einem dickeren Kapitalpolster ausstatten.
Enria will mit einem solchen Schritt die Finanzmärkte beruhigen. Investoren sind derzeit verunsichert, weil sie fürchten, dass viele europäische Banken Staatsanleihen hoch verschuldeter Länder wie etwa Griechenland in ihren Büchern haben. Die Turbulenzen der vergangenen Wochen haben insbesondere den Banken hohe Wertverluste beschert. Die Nervosität an den Märkten hat inzwischen zu einer angespannten Liquidität der Geldinstitute geführt: Banken leihen sich weniger Geld untereinander und parken immer mehr bei den Zentralbanken.
Die Forderung des Bankenaufsehers ist politisch hochbrisant. Enria stellt sich mit seinem Vorstoß gegen EU-Kommission und Bundesregierung, liegt aber auf einer Linie mit Christine Lagarde . Die IWF-Chefin hatte am Wochenende mit ihrer Forderung, Europas Banken dringend mit Milliarden zu versorgen, Aufsehen erregt. Sowohl EU-Kommission als auch Bundesregierung lehnten den Vorschlag am Montag rigoros ab, um die Märkte nicht noch weiter zu verunsichern. "Die europäischen Banken sind viel besser kapitalisiert als vor einem Jahr", sagte EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel.
Teil 2: Alarm trotz Stresstest