29. Mai 2003: BBC-Korrespondent Andrew Gilligan berichtet, ein ranghoher Regierungsbeamter habe ihm gesagt, dass das im September vorgelegte Irak-Dossier "aufgebauscht" worden sei, um die Öffentlichkeit von der Notwendigkeit eines Krieges gegen Saddam Hussein zu überzeugen.
1. Juni: In einem Artikel der "Mail on Sunday" wirft Gilligan Blairs Kommunikationsdirektor Alastair Campbell vor, dem Dossier die Behauptung hinzugefügt zu haben, Irak könne binnen 45 Minuten Massenvernichtungswaffen einsetzen.
7. Juli: Der mit dem Fall befasste außenpolitische Parlamentsausschuss sieht keine Beweise dafür, dass Campbell das Dossier aufgebauscht hat. Der Kommunikationschef fordert eine Entschuldigung der BBC. Diese hält an ihrer Darstellung fest.
9. Juli: Verteidigungsminister Geoff Hoon verlangt vom BBC-Vorsitzenden Gavyn Davies Auskunft darüber, wer der Gewährsmann ist. Es wird der Mikrobiologe und Waffenexperte David Kelly erwähnt, dessen Name auch an die Öffentlichkeit gelangt.
15. Juli: Kelly sagt dem Parlamentsausschuss, er sehe sich nicht als Hauptquelle für das "aufgebauschte Dossier". Die BBC lehnt weitere Auskünfte ab.
16. Juli: Blair fordert die BBC auf zu sagen, ob Kelly ihre Quelle war oder nicht.
17. Juli: Um 15 Uhr verlässt Kelly sein Haus in Abingdon bei Oxford. Kurz vor Mitternacht gibt seine Familie eine Vermisstenmeldung auf.
18. Juli: Kellys Leiche wird gefunden. Zur Untersuchung des Todes kündigt Blair die Einsetzung einer unabhängigen Kommission unter Leitung von Lordrichter Hutton an.
20. Juli: Die BBC bestätigt, dass Kelly ihre Hauptquelle gewesen ist. Gilligan gibt an, er habe den Wissenschaftler weder falsch zitiert noch seine Aussagen falsch dargestellt.
21. Juli: Die Untersuchung zu Kellys Tod wird offiziell eröffnet.
4. August: Der Regierung wird vorgeworfen, eine "Schmierenkampagne" gegen den toten Kelly zu führen. Regierungssprecher Tom Kelly hatte den Waffenexperten zuvor mit einem Fantasten wie James Thurbers Romanfigur Walter Mitty verglichen.
6. August: Kelly wird beerdigt.
11. August: Die Hutton-Kommission befragt die ersten Zeugen.
12. August: Gilligan bekräftigt vor den Ermittlungsrichter die Aussage seines Rundfunkbeitrags vom 29. Mai: Als Urheber des angeblich verfälschten Irak-Dossiers habe Kelly ihm Campbell benannt.
18. August: Nach Aussage von Blairs Stabschef Jonathan Powell war es das britische Verteidigungsministerium, das den Namen Kellys als Hauptquelle des BBC-Berichts durchsickern ließ.
19. August: Campbell bestreitet in seiner Aussage vor der Ermittlungskommission, Geheimdienstinformationen über das irakische Bedrohungspotenzial aufgebauscht zu haben.
26. August: Der Geheimdienst-Experte John Scarlett, der eine wesentliche Rolle bei der Erstellung des umstrittenen Dossiers spielte, verteidigt die Darstellung, dass Irak binnen 45 Minuten zum Einsatz von Massenvernichtungswaffen in der Lage gewesen wäre.
27. August: Verteidigungsminister Hoon verwahrt sich vor der Untersuchungskommission gegen Vorwürfe, dass die Regierung eine Mitschuld am Selbstmord Kellys trägt. Er habe von der Bekanntgabe seines Namens zwar gewusst, sie aber nicht angeordnet.
28. August: Blair sagt vor der Untersuchungskommission aus und verteidigt die Nennung von Kelly als BBC-Quelle. Der Regierungschef hatte nach dem Tod Kellys allerdings gesagt, er habe die Identifizierung der Quelle nicht autorisiert.
29. August: Campbell kündigt seinen Rücktritt an. Dies stehe aber nicht im Zusammenhang mit der Kelly-Affäre, hieß es. Der Rückzug des PR-Beraters wird aber als Versuch gesehen, Blair den Rücken frei zu halten. In Großbritannien wird auch über einen Rücktritt Hoons spekuliert.
17. September: In einer zweiten Befragung entschuldigt sich Gilligan dafür, dass er Kelly indirekt als Quelle seines Berichts preisgegeben hat. Zudem räumt er ein, dass seine Behauptung, das Büro von Premierminister Tony Blair habe das Irak-Dossier bewusst manipuliert, ein Fehler gewesen sei.
25. September: Die Untersuchungskommission schließt ihre Befragungen ab.
28. Januar 2004: Lordrichter Hutton legt seinen Bericht zum Tod des britischen Waffenexperten Kelly vor. Die Regierung Blairs wird darin von den erhobenen Vorwürfen entlastet.