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Merken   Drucken   02.11.2011, 06:48 Schriftgröße: AAA

Chronologie eines Krisentages: Wie Papandreous Pläne Europa erschütterten

Die Ankündigung des griechischen Ministerpräsidenten verunsichert die Märkte in und außerhalb Europas. EU und IWF kommen wegen der neuesten Entwicklungen in Athen zu einem Krisentreffen zusammen. Lesen Sie die Ereignisse vom Dienstag nach.
18:28 Uhr: Die griechischen Referendumspläne über das neue Rettungspaket dürfte den krisengeplagten europäischen Banken bis auf weiteres eine Refinanzierung über den Kapitalmarkt versperren. "Die Tür zu Finanzierungen ist zugeknallt, bevor sie sich überhaupt richtig öffnen konnte", sagte am Dienstag Kredit-Experte Sufi Mann von Société Générale . "Und wenn sich die Unsicherheit fortsetzt, wird sie für den Rest des Jahres geschlossen bleiben."
Falls die Griechen das Paket in einer Volksabstimmung ablehnen, könnte dem Land ein ungeordneter Zahlungsausfall drohen und den Instituten noch herbere Verluste. Die Aktien vieler europäischer Banken rauschten folglich in die Tiefe, während sich Versicherungen gegen eine Pleite der Institute deutlich verteuerten.
Kursinformationen und Charts
  Euro 1,25242 USD  [0.00025 +0,02%
  DAX 6323,19  [-16.75 -0,26%
18:02 Uhr: Die griechischen Pläne für eine Volksabstimmung über das zweite Hilfspaket für Athen haben einen Kurssturz an den Börsen ausgelöst. Der DAX  schloss fünf Prozent im Minus bei 5835 Zählern. Der Euro Stoxx 50  verlor 4,6 Prozent. Der Euro  fiel um mehr als ein Prozent auf weniger als 1,37 Dollar. Auch an der Wall Street purzelten die Kurse: Der Dow Jones  und der breiter gefasste S&P 500  gaben mehr als zwei Prozent nach.
17:13 Uhr: Der Kurs des Euro  ist angesichts der zugespitzten Lage in Griechenland regelrecht eingebrochen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde mit 1,3650 US-Dollar gehandelt. Vor Athens Ankündigung eines Referendums über das nächste Hilfspaket hatte der Euro noch über der Marke von 1,39 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstagnachmittag auf 1,3627 (Montag: 1,4001) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7338 (0,7142) Euro.
Papandreou lässt sein Volk abstimmen. Das ist ...

 

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"Die Ankündigung des Referendums hat für einen Schock an den Finanzmärkten gesorgt", sagte Antje Praefcke, Devisenexpertin von der Commerzbank. "Der Handel wurde alleine durch die Angst dominiert." Auch in den nächsten Tagen dürfte die Unsicherheit anhalten. Nachdem zwei Abgeordnete die Regierungsfraktion am Dienstag verlassen haben, gilt es als zunehmend unsicher, dass Regierungschef Papandreou die für Freitag angesetzte Vertrauensabstimmung gewinnen kann.
16:30 Uhr: Deutsche Politiker haben Verständnis für die Pläne eines griechischen Referendums gezeigt, aber auch vor möglichen Risiken gewarnt. Linke und SPD begrüßten den Schritt des griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou. Auch aus der CDU kam Zustimmung. Gleichzeitig stellten Experten der Union aber weitere Hilfen für die Griechen in Frage. Am weitesten gingen die Reaktionen der FDP. Dort wurde gar ein Euro-Austritt Griechenlands gefordert.
Während Unions-Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier "Spiegel Online" sagte, der Plan für das Referendum zeige, dass Papandreou es mit der Sparpolitik und den Reformen ernst meine, reagierten andere CDU-Politiker mit großer Skepsis. Bis zur Volksabstimmung herrsche keine Klarheit darüber, ob die Bedingungen für weitere Hilfen erfüllt würden, sagte Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs. "Im Zweifel sind deshalb Auszahlungen aus den Hilfsprogrammen bis zu einem erfolgreichen Referendum nicht möglich", sagte er.
16:23 Uhr: Der internationale Bankenverband IIF hält trotz der Ankündigung eines Referendums in Griechenland über das neue Rettungspaket an dem geplanten Schuldenschnitt fest. Der Verband teilte mit, er wolle weiterhin die Vereinbarung des Euro-Krisengipfels von voriger Woche umsetzen, wonach private Gläubiger auf 50 Prozent ihrer Forderungen an Griechenland verzichten wollen. Hierzu wolle der Verband weiter eng mit den griechischen Behörden und Vertretern der Euro-Zone zusammenarbeiten.
15:56 Uhr: Deutschland und Frankreich mahnen Griechenland, das neue Hilfspaket anzunehmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy  haben sich nach Angaben der Bundesregierung bei einem Telefonat über die Pläne für eine Volksabstimmung in Griechenland über das Schuldenpaket verständigt.
Man sei sich einig gewesen, dass die Übereinkunft des Euro-Gipfels "Griechenland die Rückkehr zu einem dauerhaften Wachstum erlaubt", teilte die Bundesregierung mit. Deutschland und Frankreich wünschten, "dass in Abstimmung mit ihren europäischen Partnern und dem IWF bald ein Zeitplan zur Umsetzung dieser Vereinbarung angenommen wird".
15:47 Uhr: Bundeskanzlerin Angel Merkel (CDU) und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy  werden sich wegen der Pläne für eine Volksabstimmung in Griechenland über das Sparpaket bereits am Mittwoch in Cannes treffen. Geplant sei eine Konsultationsrunde mit den europäischen Institutionen und dem IWF, teilte die Bundesregierung mit. Außerdem sei ein Treffen mit der griechischen Regierung geplant, um "alle erforderlichen Maßnahmen zur umgehenden Umsetzung der am 27. Oktober in Brüssel geschlossenen Vereinbarung zu treffen", hieß es weiter.
15:25 Uhr: Unter den Abgeordneten der sozialistischen Partei von Ministerpräsident Giorgos Papandreou wird der Ruf nach vorgezogenen Neuwahlen lauter. Mit der Parlamentarierin Eva Kaili sprach sich nun das zweite Fraktionsmitglied dafür aus. Zugleich forderte Kaili wie bereits ihr Kollege Vasso Papandreou die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit.
15:20 Uhr: Die Prämien für die Absicherung von Staatsschulden sind für nahezu alle europäischen Länder gestiegen. Laut einer Übersicht des Datendienstleisters CMA gab es den größten Sprung bei den Credit Default Swaps von Italien (plus 54 Basispunkte auf 499 Punkte. Es kostet also 499.000 Euro, Anleihen im Wert von 10 Mio. Euro ein Jahr lang zu versichern). Den zweitgrößten Sprung gab es bei Spanien (plus 10 auf 376).

Teil 2: Union setzt Griechen unter Druck

  • FTD.de, 02.11.2011
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