Ein Grund dafür ist, dass die Ermittler kurz nach den Explosionen den Zugang für Journalisten zu den Schauplätzen nahezu unmöglich machten und die meisten Schauplätze unter der Erde lagen.
"Innerhalb von Minuten nach den ersten Explosionen wurden uns die ersten Bilder übermittelt. Nach einer Stunde waren es bereits 50 Aufnahmen", sagt die Nachrichtenchefin des Senders BBC, Helen Boaden, in einem Interview mit Mediaguardian.com. Bereits während der Tsunami-Katastrophe im Dezember im Indischen Ozean hatte der öffentlich-rechtliche Sender die Aufnahmen, die lokale Augenzeugen, Touristen und Katastrophenhelfer mit digitalen Fotoapparaten und Kamerahandys geschossen hatten, genutzt. Der Sender kennzeichnet das Material bei der Ausstrahlung entsprechend und sendet nur, was seinen ethischen Standards entspricht. Bezahlt wird im Gegensatz zum Sender Sky News, der 250 £ (mehr als 362 Euro) pro Film bietet, bei der BBC nichts.
"Es ist ein wirklicher Schritt nach vorn, vor allem bei der Berichterstattung über ein Verbrechen, das die Öffentlichkeit betroffen hat", sagt Ben Rayner von ITV, dem größten Privatsender Großbritanniens, dem am vergangenen Donnerstag mehr als zehn Videoclips von Multimediahandys überspielt wurden.
Bereits 20 Minuten nach der ersten Detonation, um kurz vor neun Uhr morgens, waren die ersten Sequenzen - verwackelt und in schlechter Auflösung - auf den TV- und Computerbildschirmen der Briten zu sehen: Hektisch agierende Rettungskräfte, mit Rauch gefüllte U-Bahn-Waggons, Chaos, manchmal auch Panik in den Abteilen. Aber auch disziplinierte Evakuierungen 30 Meter unter der Erdoberfläche. Eine Kolonne von Passagieren etwa, die über die Gleise zur nächsten Station laufen, war zu sehen.
Um die Berichterstattung mit Bildern aus erster Hand anzureichern, forderten Sender und Zeitungen Zuschauer aktiv auf, ihr digitales Material zur Verfügung zu stellen. Ein reichhaltiges Angebot offerierten dabei Internettagebücher, auf denen Augenzeugen und Betroffene ihre Schilderungen mit Bildern dokumentierten. So liefen bei der von der BBC eigens eingerichteten Webseite yourpics@bbc.co.uk über 300 Zusendungen ein. Tageszeitungen wie der "Guardian", aber auch Boulevardblätter nutzen ein Bild für ihre erste Seite der Freitagsausgabe, das von einem Amateur aufgenommen wurde. Es zeigt den Bus, der von einer Sprengladung am Tavistock Square zerrissen wurde. "Es mag einige rechtliche Fragen für die Ermittler aufwerfen. Aber die neuen technischen Möglichkeiten demokratisieren den Nachrichtenfluss", meint Simon Bucks vom Sender Sky News.
Da Informationen von Feuerwehr, Polizei und Anti-Terror-Ermittlern nach den Anschlägen auffallend langsam flossen, gewann das Amateurmaterial an Gewicht. So waren eine Stunde nach der ersten Explosion für die meisten Sender nur Luftaufnahmen erhältlich. Inzwischen sind Schauplätze wie der Tavistock Square, wo Ermittler noch immer Spuren suchen, mit hohem Sichtschutz vor Einblicken geschützt.
Mit einer Verzögerungstaktik versuchte die Polizei offenbar eine Panik zu verhindern. So war noch etwa eine Stunde nach den Explosionen von einem Kurzschluss an mehreren Punkten im U-Bahn-Netz die Rede. Auch eine erste realistische Zahl an Todesopfern stand erst am Nachmittag fest. Am Sonntag entdeckte auch die Polizei den Wert der "City Journalists". Die Metropolitan Police, welche die Ermittlungen führt, forderte auf ihrer Webseite die Öffentlichkeit zur Einsendung weiterer Bilder auf.