Jetzt, wo die Schmidt'sche Limousine wohlbehalten wieder unter uns weilt, ist es an der Zeit, die Hintergründe dieses Politdramas aufzuklären. Oder glaubt außer ein paar 87-jährigen Großmüttern ernsthaft jemand an die Geschichte von den Dieben, die ganz zufällig die offene Hintertür sahen, den Fahrer betäubten und die zugehörige Luxuskarosse klauten? Na also.
Möglich scheint, dass Ulla Schmidt Opfer einer innerparteilichen Intrige wurde. Immerhin hält "uns Ulla" seit 1990 den attraktiven Wahlkreis Aachen inklusive Kurpark, Kaiser-Karl-Devotionalien und Dreiländereck. Und vermutlich hätten die Aachener sie auch noch weitere 20 Jahre gewählt, allein schon, weil niemand sonst ein Hochdeutsch sprechen kann, das sich so schön nach Öcher Platt anhört. Was liegt da für ihre SPD-Konkurrenten näher, als per Billigflug nach Alicante zu jetten, den Fahrer mit belgischen Pralinen zu bestechen und eine Dienstwagenaffäre zu inszenieren?
Unglaubwürdig scheint dagegen die These, dass aufgebrachte Ärzte sich an Schmidt rächen wollten. Erstens fahren Ärzte im Sommer selbst in den Urlaub. Und zweitens ist ein Mercedes S 420 CDI viel zu popelig.
Am wahrscheinlichsten scheint nun, dass der 15-jährige Sohn des Fahrers den Wagen für eine nächtliche Spritztour entwendet hat, dann aber kurz vor Alicante in den Graben fuhr. Die Ministerin, großherzig und mitfühlend, wie wir sie kennen, stellte sich vor den Jungen und opferte ihren eigenen guten Ruf. Ach Ulla, hättste das mal gleich gesagt, wir hätten dir doch verziehen!