Wladimir Putin wird vorgeworfen, in seinem Land die Pressefreiheit einzuschränken
Als die Wagenkolonne Putins am Dienstag in der Dresdner Altstadt vor dem Schloss eintraf und der russische Präsident ausstieg, schallten ihm die Schmährufe entgegen. Ein Demonstrant hielt ein Pappschild mit der Aufschrift hoch: "Mörder - du bist hier nicht mehr willkommen". In Moskau war am Samstag die regierungskritische Journalistin Anna Politkowskaja umgebracht worden.
Die auch von der Bundesregierung scharf verurteilte Tat überschattet den Deutschlandbesuch Putins. Der Präsident bezeichnete den Einfluss der Journalistin in Russland als "unbedeutend". Sie sei in Menschenrechtskreisen in Russland und im Westen bekannt gewesen. Dennoch schade die Bluttat Russland und auch Tschetschenien "viel mehr als die Veröffentlichungen". Putin sprach von einer "Gräueltat, die nicht ungestraft bleiben" könne, was immer das Motiv gewesen sein möge. Das Verbrechen müsse bestraft werden: "Wir werden alles dafür tun."
Vor dem Dresdner Kongresszentrum, wo Putin und Merkel am "Petersburger Dialog" teilnehmen wollen, versammelten sich rund 30 Demonstranten der Gesellschaft für bedrohte Völker zu einer Protestkundgebung. Wenn Putin nicht rasch für die Aufklärung der Bluttat sorge, erhärte sich der Verdacht, dass russische Geheimdienste ihre Hände im Spiel gehabt hätten, um die schärfste Regimekritikerin aus dem Weg zu räumen, sagte der Vorsitzende der Menschenrechtsgruppe, Tilman Zülch.
Vor dem Putin-Besuch hatten mehrere deutsche Politiker Merkel zur Offenheit gegenüber Putin aufgefordert. Merkel solle den "wirklichen Rückgang der Meinungs- und Pressefreiheit" in seinem Land ansprechen, verlangte die FDP. Der Mord müsse unabhängig und objektiv untersucht werden, mahnte die Bundestagsabgeordnete Sabine Leutheusser-Schnarrenberger im RBB Inforadio.