Normalerweise sind Manager aus Wirtschaft und Finanzen die Chefs. Für die Geburtsausgabe der FTD spielten sie Chefredakteur und Chefreporter. Lesen Sie hier die Ergebnisse des außergewöhnlichen Experiments.
Britanniens Ex-Premier Blair dient Hollywood als Vorlage für einen Politthriller. Nachfolger Brown könnte auch hier in seine Fußstapfen treten von Sebastian Borger
Dass die britische Politik als Stoff für ganz große Filme taugt, wissen wir spätestens seit Roman Polanskis "Der Ghostwriter". Der Politthriller wurde bei der Berlinale gerade mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Im Mittelpunkt des fiktiven Werkes steht der zwielichtige britische Premierminister Adam Lang, gespielt vom Ex-007-Agent Pierce Brosnan. Die Anspielung auf Tony Blair und seine Irak-Krieg-Politik sind unzweideutig.
Gordon Brown
Blairs Nachfolger, der amtierende Premier Gordon Brown, ist auf dem besten Weg, Hollywood das nächste Drehbuch aus Downing Street 10 zu liefern. Vor einer Woche rührte Brown seine Landsleute noch, als er öffentlich über die Trauer um seine Tochter Jennifer sprach, die 2002 im Alter von zehn Tagen starb. Das bescherte dem Sender hohe Einschaltquoten und Brown mehr Zuspruch bei den Briten. Einer Meinungsumfrage zufolge liegt die Labour-Partei nur noch sechs Punkte hinter den Konservativen, der geringste Abstand seit einem Jahr. Im Frühjahr wird gewählt.
Doch der 59-jährige Regierungschef hat noch ein andere, weniger anrührende Seite. Das lässt sich dem neuen Buch des bestens vernetzten Journalisten Andrew Rawnsley entnehmen: Der schildert Brown als dünnhäutigen und paranoiden Politiker, der enge Mitarbeiter verängstigt und mit Schimpfwörtern bombardiert. So alarmierend sei das Verhalten des Premiers gewesen, schreibt Rawnsley im "Observer", dass ihn sein Kabinettssekretär zu besserem Benehmen ermahnt habe: "So kommt man nicht zu Ergebnissen."
Die Enthüllungen bestätigen das Bild, das Journalisten und Weggefährten bereits zeichneten, als Brown noch Schatzkanzler und Blair-Rivale war. Der bis in die stets abgebissenen Fingernägel von Politik besessene Schotte habe "einen Charakterschaden", ließ Blairs enger Vertrauter Alastair Campbell streuen.
Brown habe "psychische Schwierigkeiten", sei "vollkommen unfähig zur Teamarbeit" und "verblendet", gab der frühere Kabinettskollege Charles Clarke zu Protokoll. Andrew Turnbull sprach vom Premierminister als einem "unbarmherzigen Stalinisten" mit "sehr zynischer Weltsicht". Turnbull war unter Brown Personalchef im Schatzkanzleramt.
Die Dementis aus Downing Street klingen halbherzig: Brown will "noch nie jemanden geschlagen" haben. Autor Rawnsley verweist auf sein zehn Jahre altes Buch "Servants of the People" (Diener des Volkes), in dem die fulminanten Auseinandersetzungen zwischen Brown und seinem Vorgänger Blair erstmals detailliert beschrieben wurden. Damals waren die Dementis noch furios, sie stellten sich jedoch als lügenhaft heraus.
Sollte Browns Wirken also jemals als Thriller verfilmt werden - den passenden Hauptdarsteller gibt es bereits: Bud Spencer.
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