"Angesichts dieser Zahlen sind Arbeitszeitverlängerungen kein sinnvolles Rezept, sondern eine Kampfansage an die nachwachsende Generation", sagte IAT-Vizepräsident Gerhard Bosch in Gelsenkirchen. Grundlage der Studie seien Jahresarbeitszeit-Statistiken der 15 alten Mitgliedstaaten der Europäischen Union, erklärte das Institut.
Mögliche Erklärung seien betriebliche Vereinbarungen, nach denen die tatsächliche Arbeitszeit über der tariflich vereinbarten liege. "Dies liegt an einem hohen Niveau von bezahlten und unbezahlten Überstunden, an nicht genommenem Urlaub, sinkendem Krankenstand und auf Arbeitszeitkonten angesparten Zeitguthaben", sagte der IAT-Wissenschaftler Sebastian Schief.
Flexible Arbeitszeiten als Gebot der Stunde
Die Arbeitszeiten in Deutschland seien flexibler als in den meisten europäischen Ländern geworden. Sie schwankten heute mit Auftragslage und Kundenströmen. "Nicht die Verlängerung sondern die Flexibilisierung der Arbeitszeiten ist heute das Gebot der Stunde", sagte Bosch.
Kürzere Jahresarbeitszeiten als in Deutschland gibt es der Studie zufolge in den Niederlanden mit 1712 Stunden, den skandinavischen Ländern, Italien und Frankreich. Mit 1937 Stunden pro Jahr müssten die Briten am meisten arbeiten. Die Arbeitszeiten in den osteuropäischen Ländern lägen noch über westeuropäischem Niveau, jedoch hätten sie sich durch starke Verkürzungen in den vergangenen Jahren angenähert.