Bei vier Bombenexplosionen innerhalb weniger Minuten sind an belebten Plätzen der ukrainischen Industriestadt Dnjepropetrowsk mindestens 27 Menschen verletzt worden. Das teilte das ukrainische Innenministerium mit. Zunächst sei an einer Straßenbahnhaltestelle eine Bombe explodiert, der in einem Abfalleimer versteckt gewesen sei, teilten die Ermittler mit. Kurz darauf ereigneten sich mindestens drei weitere Explosionen, unter anderem am Bahnhof und nahe der Oper.
Nach Angaben des Innenministeriums in Kiew entschärften Spezialisten in Dnjepropetrowsk einen fünften Sprengsatz. "Vier Bomben sind explodiert, aber einen Zündsatz konnten wir unschädlich machen", sagte ein Ministeriumssprecher. Mehrere Stunden nach der Bombenserie habe sich niemand zu den Anschlägen bekannt, sagte er nach Angaben örtlicher Medien. "Es gab auch vor den Explosionen keine Drohungen oder Erpressungsversuche."
Augenzeugen berichteten auf Internetseiten von Panik und tumultartigen Szenen in Dnjepropetrowsk. Der Hintergrund der Bombenserie war zunächst unklar. Innenminister Vitali Sachartschenko machte sich von Kiew aus auf den Weg nach Dnjepropetrowsk, das mit 1,1 Millionen Einwohnern die viertgrößte Stadt der Ex-Sowjetrepublik ist.
Der Hintergrund war zunächst unklar. Die Ukraine ist im Juni Co-Gastgeber der Fußball-Europameisterschaft. Dnjepropetrowsk rund 400 Kilometer südöstlich von Kiew ist kein Austragungsort des Turniers.
Trotz der Bombenserie sah die Ukraine am Freitag keine Sicherheitsgefahr für die Besucher der Fußball-Europameisterschaft im Juni. Die Veranstalter garantiere einen störungsfreien Verlauf des Turniers, sagte Alexander Birsan, der EM-Verantwortliche des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch, am Freitag in der Hauptstadt Kiew. "Wir unternehmen alles Notwendige zur Sicherung der Gäste und der Teilnehmer der EM", sagte Birsan.
Dnjepropetrowsk ist die Geburtsstadt der derzeit inhaftierten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko. Oppositionelle Abgeordnete blockierten am Freitag das Parlament in der Hauptstadt Kiew. Sie protestierten gegen eine mutmaßliche Mißhandlung Timoschenkos, die beim Transport aus dem Gefängnis in eine Klinik Verletzungen erlitten habe. Auch die internationale Gemeinschaft forderte die Aufklärung der Vorwürfe. Die Regierung zeigte sich von den Anschuldigungen jedoch unbeeindruckt.
Der ukrainische Präsident bezeichnete die Anschläge in Dnjepropetrowsk als Herausforderung für den Staat. "Wir werden über eine entsprechende Reaktion darauf nachdenken", sagte er. Der Generalbundesanwalt sagte, man würde die Explosionen als terroristischen Akt behandeln.
Das Auswärtige Amt sprach nach den Anschlägen einen Sicherheitshinweis für den Raum Dnjepropetrowsk aus. "Reisenden in der Region wird geraten, besondere Vorsicht walten zu lassen und die Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen", hieß es am Freitagnachmittag auf der Internetseite des Ministeriums. "Das Auswärtige Amt und die deutsche Botschaft in Kiew beobachten die Lage und die weitere Entwicklung sehr aufmerksam", sagte eine Sprecherin in Berlin.