Montagearbeiter verlegen eine neue Stromleitung zwischen Hochspannungsmasten
"Durch Megafusionen haben vor allem deutsche Konzerne die angestrebte Marktöffnung umgekehrt", sagte der zuständige Gutachter des Ökoinstituts, Felix Christian Matthes, der FTD. Die EU müsse kurzfristig nach Lösungen suchen, um weitere Konzentrationsprozesse zu verhindern. Die Studie wird am Freitag im Europäischen Parlament vorgestellt.
In der Kritik stehen neben der Electricité des France (EdF), die mehr als zwei Drittel des französischen Markts kontrolliert, vor allem die deutschen Stromerzeuger. Der Studie zufolge beherrschen RWE, Eon und Vattenfall Europe mit einer Jahresstromproduktion von 380 Milliarden Kilowattstunden ebenfalls mehr als zwei Drittel ihres Heimatmarktes. "Diese Marktmacht ist kritisch und wirkt tendenziell preistreibend", sagte Matthes auch mit Blick auf die Debatte über die hohen Strompreise in Deutschland.
Brüssel sollte eigentumsrechtliche Trennung durchsetzen
Um den Wettbewerb auf den EU-Energiemärkten zu fördern, sollte Brüssel mittelfristig die eigentumsrechtliche Trennung von Stromerzeugung, Netzbetrieb und Vertrieb durchsetzen, heißt es in der Studie. Bisher müssen diese Bereiche nur gesellschaftsrechtlich getrennt behandelt werden. Zudem sollten Übernahmen künftig nur unter strikten Auflagen gestattet werden. "Marktbeherrschende Konzerne sollten bei Fusionen eigene Kraftwerkskapazitäten abgeben, um neue Player in den Markt zu lassen", sagte Matthes. Bereits der mögliche Kauf der Scottish Power durch Eon solle mit solchen Auflagen verbunden werden.
Neben Großbritannien wird die Marktkonzentration auch in den skandinavischen Länder als "nicht kritisch" bewertet. Auf der Iberischen Halbinsel sowie in Italien, der Schweiz, Österreich sowie Portugal und Spanien entwickle sich der Erzeugungsmarkt "tendenziell in Richtung nicht kritisch", sagte Matthes.