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Merken   Drucken   14.11.2010, 19:02 Schriftgröße: AAA

Drohender Staatsbankrott: Irland hält schuldengeplagtes Europa in Atem

Das Hoffen und Bangen um das Sorgenkind der EU reißt nicht ab. Experten fürchten, dass das Land bald das fertig geschnürte Rettungspaket annehmen muss. Doch davon will man in Irland und beim Internationalen Währungsfonds nichts wissen.
Nach der Rettung Griechenlands vor dem Staatsbankrott droht mit Irland ein weiterer Brandherd in der schuldengeplagten EU außer Kontrolle zu geraten. Das einst wegen seines rasanten Wirtschaftswachstums als "keltischer Tiger" bezeichnete Land könnte Expertenkreisen zufolge in seiner Finanznot EU-Hilfen von 45 bis 90 Mrd. Euro beantragen. Aus Kreisen der Euro-Zone verlautete, die EU dränge Irland zur Annahme von Nothilfen. Die irische Regierung wie die Bundesregierung wiesen dies am Sonntag zurück. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn sagte, Irland könne gut alleine zurechtkommen.
Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique ...   Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, lehnt EU-Hilfen für Irland noch ab
Der irische Handelsminister Batt O'Keeffe sagte dem Sender RTE, Irland verhandle nicht mit der EU über ein Hilfspaket. "Diese Regierung steht nicht unter Druck", fügte er hinzu. In EU-Kreisen hieß es, die Regierung in Dublin zeige zwar kein großes Interesse, könnte aber unter dem Druck der Märkte letztlich keine andere Wahl haben. Die Lage Irlands wird auch Thema beim turnusmäßigen Finanzministertreffen der Euro-Zone am Dienstag sein.
Bankensektor im Mittelpunkt
Den EU-Kreisen zufolge sei die irische Regierung bis Mitte 2011 noch ausreichend mit Kapital versorgt. Entscheidend sei aber die Entwicklung des Bankensektors, der in der Finanzkrise hohe Verluste hinnehmen musste. Davon hänge der Umfang der Hilfssumme ab. Die Geldhäuser könnten das Land in eine Zwangslage bringen, sollten sie weitere Unterstützung benötigen. "Ich glaube nicht, dass es einen Run auf die Banken gibt", sagte eine mit der Situation vertraute Person. Aber es hänge davon ab, wie sich die Lage in der kommenden Woche entwickle. Dass Irland am 7. Dezember seine vierjährige Finanzvorschau vorlegen muss, sorgt für zusätzliche Nervosität.
Die Bundesregierung dementierte unterdessen einen Agenturbericht, sie dränge Irland dazu, noch vor dem nächsten Treffen der Euro-Finanzminister Hilfe aus dem aktuellen Rettungsschirm zu beantragen, um die Finanzmärkte zu beruhigen. "Das stimmt nicht. Ich weise den Bericht zurück, dass Deutschland Irland drängt, Hilfe zu beantragen", sagte der Sprecher des Finanzministeriums, Martin Kreienbaum. "Deutschland spielt auch keine Sonderrolle in dieser Frage", sagte ein Regierungssprecher.
EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn sagte im finnischen Rundfunk: "Wir sind bereit und behalten die Lage in enger Zusammenarbeit mit den irischen Behörden im Auge." Spekulationen über einen Antrag hatten an den Finanzmärkten Unruhe ausgelöst.
IWF-Chef: Irland kommt ohne EU-Hilfen zurecht
Auch der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Strauss-Kahn, hatte am Samstag versucht, die Wogen zu glätten. "Ich denke, Irland kann ganz gut alleine zurechtkommen", sagte er. Bislang sei kein Hilfsersuchen beim IWF eingegangen. Der Fonds stünde zwar bereit, sollte das hoch verschuldete Land Hilfe benötigen. Derzeit laufe aber alles ganz normal. Die Situation in Irland sei anders als die im ebenfalls schuldengeplagten Griechenland, das sich im April unter einen Schutzschirm von EU und IWF geflüchtet hatte.
Unterdessen hat die griechische Regierung eine Verlängerung der Rückzahlungsfrist für seine Milliardenkredite ins Gespräch gebracht. Diese Frage stehe bereits im Raum, sagte Ministerpräsident Giorgos Papandreou der Zeitung "Proto Thema". Zuvor hatte die EZB davor gewarnt, die Bedingungen für die Hilfskredite der EU und des IWF neu verhandeln zu wollen.
In dem ebenfalls hoch verschuldeten Portugal erhöhte die sozialistische Minderheitsregierung unterdessen den Druck auf die Opposition. Portugal drohe ein Ausschluss aus dem Euro, sollte kein Konsens für den Sanierungskurs gefunden werden, warnte Außenminister Luis Amado in der Wochenzeitung "Expresso".
  • Reuters, 14.11.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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