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Merken   Drucken   15.12.2008, 12:11 Schriftgröße: AAA

Ende des Booms: Irland springt Banken bei

Eine Insel in der Krise: Jahrzehntelang war Irland das Wirtschaftswunderland. Doch nun droht dem Staat eine schwere Rezession. Wegen des Immobiliencrashs fürchtet die Regierung nun einen Kollaps des Bankensystems - und steigt ein.

Die irische Regierung macht es der britischen nach und wird die heimischen Banken mit frischem Kapital stärken. Im Gespräch ist eine Kapitalspritze von 10 Mrd. Euro. "Es ist sehr wichtig, dass unser Bankensystem in der Lage ist, die Wirtschaft zu unterstützen", sagte Irlands Finanzminister Brian Lenihan. Nach Angaben der Regierung wird das Engagement des Staates in Form von Vorzugsaktien erfolgen. Finanziert wird die Aktion durch den staatlichen Pensionsfonds.

Die Ankündigung der Regierung ist Beleg dafür, wie sehr die Finanzkrise und der Verfall der Hauspreise den irischen Banken zusetzt. Irland war das erste europäische Land, dass eine 440 Mrd. Euro schwere Garantie für Bankeinlagen aussprach - und damit andere Staaten in Zugzwang brachte. Nachdem bereits die britische Regierung die Kontrolle bei der Royal Bank of Scotland übernahm und auch andere Banken stärkte, folgt nun Irland nach ähnlichem Muster.

Der Grund: Börsianer fürchten einen Zusammenbruch der irischen Banken, die stark bei Immobilienkrediten engagiert sind. Das spiegelt sich in den Aktienkursen wider. Seit Jahresbeginn fiel der irische Finanzindex um 90 Prozent. Die Papiere von der Bank Anglo Irish  büßten sogar 97 Prozent ihres Werts ein. Seitdem die Regierung die Einlagengarantie Ende September ausgesprochen hatte, fielen die Kurse um 75 Prozent.

Erstes EU-Land in der Rezession

Die Schwäche des Bankensystems geht einher mit einem starken wirtschaftlichen Abschwung. Irland rutschte als erstes Land der Euro-Zone in die Rezession. Im ersten und zweiten Quartal ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,3 beziehungsweise 0,5 Prozent gegenüber den Vorquartalen zurück. Gegenüber der Vorjahresperiode lag das Minus im zweiten Quartal bei 0,7 Prozent. Es ist der erste Rückgang der Wirtschaftsaktivität seit 1983 - und das Ende einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte. In den vergangenen zehn Jahren hatte die Wirtschaft jährlich um sieben Prozent zugelegt, angetrieben von Exporte und einen starken Immobilienmarkt.

Besonders auf dem Häusermarkt geht es abwärts. Im Oktober fielen die Hauspreise um 0,8 Prozent gegenüber dem Vormonat. Das war der 19. Rückgang in Folge. Damit liegt das Minus zum Vorjahr bei 7,8 Prozent, wie sich aus einem Index von Irish Life ablesen lässt. Der Preisverfall geht einher mit einer schleppenden Vergabe von Hypothekenkrediten. Nach Daten der irischen Zentralbank legte das Hypothekenvolumen so gering zu wie seit 22 Jahren nicht mehr.

Da gleichzeitig die Arbeitslosigkeit auf dem höchsten Stand seit elf Jahren ist, halten sich die irischen Haushalte mit Ausgaben zurück. "Die Verbraucher werden sehr zurückhaltend bleiben. Sie werden sparen und nur wenig Geld ausgeben", sagte Alan McQuaid, Chefvolkswirt bei Bloxham Stockbrockers in Dublin.

Teil2: Irland vor schwierigen Zeiten

  • FTD.de, 15.12.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland
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