Vor zwei Jahren noch war zwischen Berlin und Athen alles klar: Reparationszahlungen, so der griechische Premier Giorgos Papandreou damals in der "FAZ", seien "eine offene Frage, aber kein Thema, das wir auf unsere Tagesordnung setzen, weil wir derzeit ganz andere Schwierigkeiten haben".
Die sind nicht weniger geworden - gerade wird um ein neuerliches Hilfspaket gerungen. Dennoch gab das Finanzministerium in Athen am Montag bekannt, man wolle Beweise zusammentragen, um Reparationsforderungen gegen Deutschland begründen zu können - wegen Gräueltaten und Zerstörungen während des Zweiten Weltkriegs.
Innenpolitisch ist das nachvollziehbar. Viele Griechen machen Berlin für die strikte Sparpolitik in ihrem Land verantwortlich. Die Forderung nach deutschen Reparationen ist populär - alle paar Jahre kursieren neue Rechnungen. Im Moment schreibt die griechische Presse von 300 Mrd. Euro.
Dabei gibt es nichts mehr zu reparieren. So jedenfalls sehen es Bundesregierung und Historiker: "Forderungen gab es schon immer. Es wurde aber auch schon mehrfach gezahlt", sagt Heinz Richter, Professor für moderne griechische Geschichte.
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Nach seinen Erkenntnissen sind die Griechen aber fahrlässig mit dem Geld umgegangen: Zunächst seien ihnen direkt nach Kriegsende 30.000 Tonnen Industriegüter zugesprochen worden. "10000 Tonnen gingen 1950 auf englische Schiffe Richtung Griechenland - kamen jedoch nie dort an", so Richter. Der Rest habe zwei Jahre im Hamburger Hafen vor sich hin gerostet und sei dann an die Briten verkauft worden. Das Geld schaffte es nie bis nach Athen. 1953 dann habe Bonn 200 Mio. D-Mark Investitionskredit gewährt - eine verkappte Reparation, jedoch niemals als solche anerkannt. Schließlich habe Griechenland 115 Mio. D-Mark zur Wiedergutmachung von Naziverbrechen erhalten. Aber auch dieses Geld sei versickert.
Warum die neuerliche Forderung? Auf Druck der Geldgeber sollen 150.000 Beamte entlassen werden, der Zorn der Straße droht. Richter: "Das ist Ablenkung der Wut der Bürger nach außen."
Mit der Prüfung der erneuten Forderung nach Reparationen lässt sich Athen gehörig Zeit. Der Vizefinanzminister hat erst mal eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die nach Dokumenten und Gründen dafür fahnden soll. Ende des Jahres sollen Ergebnisse vorliegen - bis dahin dürfte auch über ein drittes Hilfspaket entschieden sein.