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Merken   Drucken   02.11.2011, 21:59 Schriftgröße: AAA

Erdogan-Besuch: Merkel und Erdogan zeigen Unterschiede

Eine Stunde lang geben Bundeskanzlerin Merkel und ihr türkischer Amtskollege Erdogan ein Bild der Eintracht ab. Doch die Konflikte sind kaum zu verbergen. von Marina Zapf, Berlin
In wenigen Stunden werden sie zum G20-Gipfel nach Cannes aufbrechen. Kanzlerin Angela Merkel früher als geplant, weil die Euro-Zone brennt und der griechische Amtskollege Giorgos Papandreou zum Appell zitiert ist. Ihr türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan als Vertreter eines der führenden Schwellenländer, von denen jetzt tatkräftige Hilfe erwartet wird. Nun aber sitzen sie noch Seite an Seite auf dem Podium, beim Festakt zum 50. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens für Gastarbeiter.
50 Jahre Türken in Deutschland: Bundeskanzlerin Merkel und ...   50 Jahre Türken in Deutschland: Bundeskanzlerin Merkel und Ministerpräsident Erdogan loben die Erfolge der Integration. Aber es gibt auch Probleme und Spannungen - und einen Streit über doppelte Staatsbürgerschaft. Foto: Wolfgang Kumm
"Was waren das noch für Zeiten", wird Merkel vom Moderator gefragt, "als man glaubte, die Türken seien das Problem?" Die Kanzlerin wirkt verdutzt. Gedanklich war sie eben noch "in den Zeiten des Kalten Krieges, in dem Jahr, als die Berliner Mauer gebaut wurde", als viele türkische Gastarbeiter eintrafen. "Alle sind mir herzlich lieb, Griechen wie Türken", antwortet sie bestimmt, "egal wie sie sich verhalten."
Über Probleme will niemand ausdrücklich sprechen während dieser Feierstunde in Berlin, die vor allem dem Dank an die erste Generation türkischer Zuwanderer in Deutschland gewidmet ist.
Viel mehr ist deshalb von Liebe und Freundschaft die Rede - von Liebe, die verbindet und manchmal trennt. So wird auch das klassische Streitthema zwischen Ankara und Berlin entschärft: der obligatorische Sprachkurs für heiratswillige Türkinnen, die nach Deutschland kommen wollen. Ob nicht jede Liebe Hindernisse überwinden müsse, fragt der Moderator Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der "Zeit", mit schelmischem Unterton. Ja schon, druckst der gefragte Türke herum. Aber Gesetze, die Liebe, Respekt und Ehe nur bei türkischen Zuwanderern behinderten, müssten doch geändert werden.
So werden in viele Bekundungen der Zusammengehörigkeit und der erfolgreichen Integration auch kritische Botschaften eingewoben. "Wir sind zusammen", presst der türkische Premier zum ersten Mal auf Deutsch heraus, nachdem er die Schicksalsgemeinschaft mit Deutschland beschworen hat. Aber gerade deswegen "sollte es auch Deutschland sein, das die Mitgliedschaft in der Europäischen Union am stärksten vertritt", fordert er. Zu diesem Wunsch verliert die Kanzlerin kein Wort: An ihrer Ablehnung einer Vollmitgliedschaft hat sich nichts geändert.

Teil 2: "Ich bin auch ihre Kanzlerin"

  • Aus der FTD vom 03.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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