50 Jahre Türken in Deutschland: Bundeskanzlerin Merkel und Ministerpräsident Erdogan loben die Erfolge der Integration. Aber es gibt auch Probleme und Spannungen - und einen Streit über doppelte Staatsbürgerschaft. Foto: Wolfgang Kumm
"Was waren das noch für Zeiten", wird Merkel vom Moderator gefragt, "als man glaubte, die Türken seien das Problem?" Die Kanzlerin wirkt verdutzt. Gedanklich war sie eben noch "in den Zeiten des Kalten Krieges, in dem Jahr, als die Berliner Mauer gebaut wurde", als viele türkische Gastarbeiter eintrafen. "Alle sind mir herzlich lieb, Griechen wie Türken", antwortet sie bestimmt, "egal wie sie sich verhalten."
Über Probleme will niemand ausdrücklich sprechen während dieser Feierstunde in Berlin, die vor allem dem Dank an die erste Generation türkischer Zuwanderer in Deutschland gewidmet ist.
Viel mehr ist deshalb von Liebe und Freundschaft die Rede - von Liebe, die verbindet und manchmal trennt. So wird auch das klassische Streitthema zwischen Ankara und Berlin entschärft: der obligatorische Sprachkurs für heiratswillige Türkinnen, die nach Deutschland kommen wollen. Ob nicht jede Liebe Hindernisse überwinden müsse, fragt der Moderator Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der "Zeit", mit schelmischem Unterton. Ja schon, druckst der gefragte Türke herum. Aber Gesetze, die Liebe, Respekt und Ehe nur bei türkischen Zuwanderern behinderten, müssten doch geändert werden.