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Merken   Drucken   03.09.2008, 15:16 Schriftgröße: AAA

Erstmals negatives BIP: Eurozone leidet unter Deutschland  

Mit seiner Konjunkturflaute hat Deutschland im Frühjahr die Wirtschaft im ganzen Euro-Raum nach unten gezogen. Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen stand dort ein Minus vor den Quartalszahlen. Von einem Konjunkturpaket will der Euro-Gruppen-Chef trotzdem nichts wissen.
Im Vergleich zum ersten Quartal sei das Bruttoinlandsprodukt von April bis Juni um 0,2 Prozent gesunken, bestätigte die Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch eine frühere Schätzung. Das war das erste Minus überhaupt seit Einführung der Statistik 1995. Die Konjunktur kühlte sich auf breiter Front ab: Der private Konsum, die Investitionen der Unternehmen und die Exporte schrumpften. Großen Anteil an der schwachen Entwicklung hat Deutschland. In Europas größter Volkswirtschaft schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt mit 0,5 Prozent am stärksten.
Mit Frankreich und Italien rutschten auch die beiden anderen Schwergewichte ins Minus: Hier verringerte sich die Wirtschaftsleistung jeweils um 0,3 Prozent. Im ersten Quartal waren die drei großen Industrieländer noch gewachsen und hatten dem Euro-Raum zu einem Plus von 0,7 Prozent verholfen. Die von der Finanzkrise gebeutelten USA schafften dagegen im Frühjahr ein Wachstum von 0,8 Prozent. In Japan gab es ein Minus von 0,6 Prozent.
EU-Wirtschaftskommissar Joaquin Almunia sieht in dem Rückschlag vor allem eine Gegenbewegung zum starken Jahresbeginn. "Im ersten Quartal hatten wir ein recht hohes Wachstum, weil wir einen milden Winter hatten und am Bau durchgearbeitet werden konnte", sagte seine Sprecherin in Brüssel. Experten erwarten aber, dass die Flaute anhält. "Die Wachstumsaussichten für die kommenden Quartale haben sich weiter eingetrübt", sagte Postbank-Analystin Fabienne Riefer. Die Einkaufsmanagerindizes für die Industrie und die Dienstleister signalisierten im August ein weiteres Schrumpfen.
Selbst Sommer hilft dem Konsum nicht
Der Einbruch im Frühjahr geht vor allem auf die Zurückhaltung der Unternehmen zurück, die wegen der schlechteren Auftragslage und der trüben Konjunkturaussichten weniger investierten. Ihre Ausgaben für neue Maschinen, Anlagen und andere Investitionen gingen um 1,2 Prozent zurück. Auch Exporte reduzierten sich um 0,4 Prozent. Die Verbraucher hielten sich angesichts rasant steigender Preise für Energie und viele Lebensmittel ebenfalls zurück: Ihre Konsumausgaben sanken um 0,2 Prozent.

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  • Reuters, 03.09.2008
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