Weil die überwältigende Mehrheit aus allen 17 Euro-Staaten nebst neun Ländern mit eigenen Währungen nicht seinen weitreichenden Sonderregeln für den Finanzplatz London zustimmen wollte, hält er es für besser, sich abzuspalten. Zunächst hatte Cameron noch die Regierungschefs von Tschechien, Ungarn und Schweden an seiner Seite. Doch kurz vor Abschluss des Gipfels teilten die drei mit, sie wollten sich dem Reformvertrag der 17 Euro-Staaten anschließen. Damit steht Großbritannien alleine da.
Die Boulevardpresse auf der Insel jubelt. Doch nicht alle Briten sind begeistert: Der Vorsitzende der oppositionellen Labour-Partei, Ed Miliband, kritisierte, Großbritannien werde in wichtigen wirtschaftspolitischen Fragen nicht mehr mitreden können. Und selbst der Chef der EU-kritischen Independence Party, Nigel Farage, zeigte sich entsetzt über das Gipfelergebnis: Das Vereinigte Königreich bleibe in der EU und habe dort gleichzeitig weniger zu sagen. Das sei "die denkbar schlechteste aller Welten" für Großbritannien, sagte Farage.
Die Euro-Schuldenkrise reißt bei den Briten eine alte Wunde auf: Seit Jahrzehnten sind sie sich unsicher, welche Rolle sie im zusammenwachsenden Europa spielen wollen. Aus pragmatischen Erwägungen ist ihnen durchaus bewusst, wie sehr sie von Europa profitieren - auch wenn sogar Regierungsmitglieder immer wieder öffentlich mit einem Austritt aus der Gemeinschaft kokettieren. Und eine ausbleibende Lösung in der Schuldenkrise der Gemeinschaftswährung würde auch auf die britische Wirtschaft durchschlagen.
Andererseits sehen sie in der derzeitigen Währungskrise einen Beleg für ihre lang verfochtene These, dass die europäische Integration nicht fortgesetzt werden sollte. "Die EU hat zu viel Macht", lautet die häufig geäußerte Meinung. Die Währungskrise wird nur zu gerne für eine Generalabrechnung mit Europa im Allgemeinen und Brüssel im Speziellen genutzt. Dabei bedienen sich vor allem Mitglieder der regierenden Torys, die langjährigen Euro-Skeptiker der Basis nicht zu vergraulen.