FTD.de » Politik » Europa » Dallis langer Schatten
Merken   Drucken   08.11.2012, 22:10 Schriftgröße: AAA

EU-Kommissionspräsident Barroso unter Druck: Dallis langer Schatten

Drei Seiten - so lang ist der Brief, mit dem Kommissionspräsident Barroso zur Tabaklobby-Affäre Stellung nimmt. Reicht nicht, finden EU-Abgeordnete. Sie wollen Einblick in den Bericht der Antibetrugsbehörde über den geschassten EU-Gesundheitskommissar Dalli.
von Brüssel

Eigentlich will José Manuel Barroso nur eins, wenn es um den Rücktritt von Ex-Gesundheitskommissar John Dalli geht: die Debatte so schnell wie möglich beenden. Nur, so recht gelingen will ihm das nicht. Anfang der Woche kritisierten Lobbywächter, Barroso lege so wenig Informationen vor zum Rücktritt und zu den Korruptionsvorwürfen gegen Dalli, dass mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet würden. Und jetzt erhöht auch das EU-Parlament den Druck.

Einflussreiche Abgeordnete sind unzufrieden mit einem Brief, den Barroso an Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) geschickt hat. Ihnen reichen die Erklärungen in dem dreiseitigen Schreiben nicht, das der FTD vorliegt. Vor allem aber sind sie frustriert, dass Barroso ihnen den verlangten "angemessenen Zugang" zum Bericht der EU-Betrugsbekämpfungsbehörde Olaf verweigert. Laut Olaf soll Dalli geduldet haben, dass ein Geschäftsmann einem Tabakhersteller in Dallis Namen gegen Millionenzahlungen Änderungen an der in Überarbeitung befindlichen EU-Tabakproduktrichtlinie angeboten hat. Dalli trat Mitte Oktober auf Barrosos Ersuchen zurück, weist aber alle Vorwürfe zurück.

Ex-EU-Kommissar John Dalli   Ex-EU-Kommissar John Dalli

"Wir sollten uns damit nicht abspeisen lassen", sagte nun der Vorsitzende des Haushaltskontrollausschusses, Michael Theurer (FDP), der FTD zu Barrosos Brief. Er will Barroso vor das Plenum des Parlaments zitieren und befragen. Und er pocht darauf, dass das Parlament Einblick in den Olaf-Bericht erhält. Die Haushaltsexpertin der CDU im EU-Parlament, Inge Gräßle, droht gar mit einem Untersuchungsausschuss, sollte sich der Informationsfluss nicht verbessern.

In seinem Brief führt Barroso im Wesentlichen auf, was er via Sprecher und Mitteilungen bereits erklärt hat. Die Frage, die die Abgeordneten umtreibt, ist aus ihrer Sicht aber nicht beantwortet: War der Rücktritt wirklich nötig? Einige halten es zumindest nicht für ausgeschlossen, dass die Tabaklobby Dalli abschießen wollte, um allzu harte Vorgaben zu vermeiden.

Barroso schreibt, es müsse "klar getrennt" werden zwischen möglichen Rechtsfolgen der Olaf-Ergebnisse und der politischen Bewertung. Ein Verbleib im Amt wäre "politisch nicht vertretbar" gewesen. Zum Olaf-Bericht schreibt Barroso, dass ihm die Hände gebunden seien. Nur der ermittelnde maltesische Staatsanwalt könne den Bericht freigeben. Die Kommission habe da keine Wahl, sondern eine "gesetzliche Auflage".

Die Abgeordneten aber wollen nicht klein beigeben. FDP-Haushaltsexperte Theurer sagte, wo ein Wille sei, sei auch ein Weg. In früheren Fällen habe es in speziellen abgeschirmten Leseräumen sehr wohl die Möglichkeit gegeben, in solche Berichte hineinzuschauen. Das wollen er und andere jetzt auch.

  • Aus der FTD vom 09.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler