Infografik - So flüssig sind die Euro-Länder
Nach den neuen Regeln musste Lissabon aber eine 2 Mrd. Euro schwere Kapitalspritze für die strauchelnde Banco de Negocios und Hilfsgelder für mehrere Nahverkehrstbetriebe in das Defizit einbeziehen. Die Finanzmärkte reagierten auf die Neuberechnung beunruhigt: Die Risikoprämien auf portugiesische Staatsanleihen zogen kräftig an. Die Renditen von Zehnjahrespapieren erhöhten sich um 0,3 Prozentpunkte auf 8,4 Prozent. Steigende Renditen gehen bei Anleihen mit fallenden Kursen einher, signalisieren also eine sinkende Nachfrage.
Auch die Kosten für die Absicherung gegen eine Staatspleite schnellten in die Höhe. Kreditausfallderivate (CDS) auf fünfjährige Staatsanleihen verteuerten sich laut dem Datendienstleister CMA um 22 auf 587 Basispunkte. Damit kostet es 579.000 Euro, portugiesische Anleihen im Umfang von 10 Mio. Euro ein Jahr lang gegen einen Zahlungsausfall abzusichern. Zum Vergleich: Die Absicherung zehnjähriger Bundesanleihen im gleichen Wert kostet derzeit rund 44.000 Euro.
Markttest für nächste Woche geplant
Trotz des wachsenden Misstrauens der Investoren will sich die staatliche Schuldenagentur nächste Woche wieder auf den Markt wagen: Über eine Schatzwechsel-Auktion will sie am 6. April bis zu 1 Mrd. Euro aufnehmen. Termine für die Emission länger laufender Anleihen gab die Schuldenagentur in ihrem Auktionskalender fürs zweite Quartal aber nicht bekannt. Der Zeitplan hänge von der Marktentwicklung ab.
Portugal braucht frisches Geld, weil im April und Juni auslaufende Anleihen im Wert von rund 9 Mrd. Euro getilgt werden müssen. Nach Einschätzung von Experten der britischen Investmentbank Barclays Capital verfügt die Regierung über Barmittel in Höhe von 5 Mrd. Euro. Das würde für die April-Zahlung ausreichen - danach wird es für Lissabon brenzlig. Sollten Anleger bei Anleihe-Auktionen ähnlich hohe Zinsen verlangen wie derzeit auf dem Sekundärmarkt, würde der Schuldendienst für das Land zu teuer.