FTD.de » Politik » Europa » Etwas Streit muss sein

Merken   Drucken   12.02.2012, 20:16 Schriftgröße: AAA

Euro-Krise: Etwas Streit muss sein

Leitartikel Wenn irgendwann diese Euro-Krise abgehakt werden kann - oder zumindest in Europa wieder über andere Themen als Sparpakete und Rettungsschirme gesprochen wird -, dann wird man zurückdenken an diese Zeit und den Kopf schütteln.
Wie schnell wird im europäischen Haus die nationalstaatliche Karte gespielt, wie schnell der Populismus bedient, wie schnell werden faule Griechen und oberlehrerhafte Deutsche identifiziert!
Und wie schnell die Sonntagsreden über Europa vergessen, wenn es mal ein bisschen wehtut. War da nicht mal was mit Partnerschaft, gemeinsamen Werten und - man traut sich fast nicht, es auszusprechen - europäischer Freundschaft?
Wenn in Athen deutsche Flaggen brennen und in Berlin Regionalpolitiker Gratismut beim Griechen-Bashing entwickeln, mag das ernüchternd sein. Doch bevor wir über einen klaren Interessengegensatz zwischen Geber- und Nehmerländern in der Euro-Krise politisch korrekte Harmoniesoße gießen, sollten wir eines bedenken: Konflikte sind unvermeidlich, wenn so viel auf dem Spiel steht. Milliarden an Hilfsgeldern fließen derzeit aus dem wohlhabenden Norden. Auf der anderen Seite ringen Hunderttausende Griechen um ihre Existenz.
Dieser Kampf um Griechenland erzeugt Reibung. Das ist ganz normal, und wir müssen lernen, Streit zu akzeptieren. Aber nicht jede Form, in der er geführt wird.
Einen gewissen Grad von Populismus kann man Politikern in der Euro-Krise nachsehen, denn natürlich geht es auch darum, in der Bevölkerung Mehrheiten zu finden. Europa funktioniert nicht ohne Legitimation.
Aber wenn jetzt Politiker wie der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer plötzlich Volksabstimmungen über Bürgschaften für Schuldenstaaten und die Euro-Rettung vorschlagen, dann nerven sie einfach nur. Diese Störmanöver geschehen ohne Not und sind sinnlose Beiträge im Meinungszirkus, ohne wirkliche Relevanz. Seehofer weiß das - seine Wähler im nächsten Jahr hoffentlich auch.
  • Aus der FTD vom 13.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 16.02.2012 16:48:22 Uhr   Pauli: Pleite-Euro

    Alle Politiker, die für die milliardenschweren
    Rettungsschirme im Bundestag stimmen, sollen
    für diese unverfrorene Eigenmächtigkeit vor
    Gericht mit ihrem Eigenkapital haften! Es ist
    unglaublich uns Bürger unbefragt zu hintergehen
    und unser schwer verdientes Geld in ganz Europa
    zu verschenken! Bereits CDU-Kohl und CSU-Waigel
    haben uns mit dem Pleite-Euro betrogen.

  • 14.02.2012 11:47:33 Uhr   wetaskewin: Volksentscheit.
  • 13.02.2012 14:14:21 Uhr   12345: Politikversagen
  • 13.02.2012 00:07:50 Uhr   Gast: Demiokratieverständnis
  • 12.02.2012 23:39:21 Uhr   Erwin: Mehr Demokratie wagen!
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