Wenn in Athen deutsche Flaggen brennen und in Berlin Regionalpolitiker Gratismut beim Griechen-Bashing entwickeln, mag das ernüchternd sein. Doch bevor wir über einen klaren Interessengegensatz zwischen Geber- und Nehmerländern in der Euro-Krise politisch korrekte Harmoniesoße gießen, sollten wir eines bedenken: Konflikte sind unvermeidlich, wenn so viel auf dem Spiel steht. Milliarden an Hilfsgeldern fließen derzeit aus dem wohlhabenden Norden. Auf der anderen Seite ringen Hunderttausende Griechen um ihre Existenz.
Dieser Kampf um Griechenland erzeugt Reibung. Das ist ganz normal, und wir müssen lernen, Streit zu akzeptieren. Aber nicht jede Form, in der er geführt wird.
Einen gewissen Grad von Populismus kann man Politikern in der Euro-Krise nachsehen, denn natürlich geht es auch darum, in der Bevölkerung Mehrheiten zu finden. Europa funktioniert nicht ohne Legitimation.
Aber wenn jetzt Politiker wie der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer plötzlich Volksabstimmungen über Bürgschaften für Schuldenstaaten und die Euro-Rettung vorschlagen, dann nerven sie einfach nur. Diese Störmanöver geschehen ohne Not und sind sinnlose Beiträge im Meinungszirkus, ohne wirkliche Relevanz. Seehofer weiß das - seine Wähler im nächsten Jahr hoffentlich auch.