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Merken   Drucken   11.07.2011, 11:50 Schriftgröße: AAA

Euro-Krise: EU-Justizkommissarin will US-Ratingagenturen zerschlagen

Viviane Reding wettert angesichts der jüngsten Einstufungen gegen Fitch, Moody`s und S&P. Sie sieht in den drei Unternehmen ein Kartell, dass "Europa kaputt zu machen" droht.
© Bild: 2010 AFP
Viviane Reding wettert angesichts der jüngsten Einstufungen gegen Fitch, Moody`s und S&P. Sie sieht in den drei Unternehmen ein Kartell, dass "Europa kaputt zu machen" droht.
EU-Justizkommissarin Viviane Reding kritisiert die Ratingagenturen scharf. "Europa darf sich nicht von drei US-Privatunternehmen kaputt machen lassen", sagte Reding der "Welt" mit Blick auf die drei Unternehmen Standard & Poors (S&P), Moody's und Fitch, die den Markt der Ratingagenturen weitgehend beherrschen. Es dürfe nicht sein, "dass ein Kartell dreier US-Unternehmen" über das Schicksal von Volkswirtschaften entscheide.
Reding schlägt zwei Lösungsansätze vor: "Entweder beschließen die G20-Staaten gemeinsam, das Kartell der drei US-Ratingagenturen zu zerschlagen. Die USA könnten beispielsweise aufgefordert werden, aus drei Ratingagenturen sechs zu machen. Oder aber es werden unabhängige europäische und asiatische Ratingagenturen geschaffen." Das brauche allerdings Zeit.
Die Kritik an den Schuldenrichtern wächst unaufhörlich. Der Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag, Frank-Walter Steinmeier, sagte der "Wirtschaftswoche", Ratingagenturen seien "ein ernst zu nehmendes Problem für die Stabilität von Staaten". Sie seien nur dem Profit verpflichtet und trieben notleidende Staaten systematisch in die Pleite.
Entbrannt war die Diskussion, nachdem Moody's die Kreditwürdigkeit Portugals Anfang Juli auf Ramschniveau herabgestuft und dadurch einen Kurssturz der Börse in Lissabon ausgelöst hatte.
Härte gegen Griechenland
Angesichts eines möglichen Übergreifens der europäischen Schuldenkrise auf Italien steige in der EU die Bereitschaft zu harten Maßnahmen gegen Griechenland, berichtete die "Welt" unter Berufung auf EU-Kreise. Mittlerweile werde auch ein Schuldenschnitt für Athen als "extreme Option" nicht mehr ausgeschlossen. "Die Wahrscheinlichkeit, dass es spätestens bis Dezember zu einer Umschuldung Griechenlands kommt, ist sehr hoch", zitiert das Blatt einen EU-Diplomaten.
Die Europäische Zentralbank (EZB) fordere unterdessen eine grundlegende Reform der Krisenpolitik der Euro-Staaten. Der Euro-Rettungsschirm muss deutlich aufgestockt, möglicherweise sogar auf 1500 Mrd. Euro verdoppelt werden. Ansonsten, so die Befürchtung, drohe die aktuelle Krise an den EU-Anleihemärkten außer Kontrolle zu geraten.
  • dpa, 11.07.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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