Es ist nur eine relativ kleine Summe, sie hat aber hohen Symbolwert: Irland hat am Donnerstag Geldmarktpapiere mit drei Monaten Laufzeit im Volumen von 500 Mio. Euro untergebracht. Das unter dem europäischen Rettungsschirm stehende Land nahm erstmals seit September 2010 Geld am Kapitalmarkt auf.
Bei der mit großer Spannung erwarteten Auktion von Geldmarktpapieren mit drei Monaten Laufzeit stieß die Schuldenagentur in Dublin auf große Nachfrage. Die Auktion war 2,8-fach überzeichnet, das heißt es gab Gebote über 1,4 Mrd. Euro. Folglich sank der Preis: Irland zahlte nur eine Durchschnittsrendite von 1,8 Prozent, während Analysten im Vorfeld mit rund zwei Prozent gerechnet hatten.
Irland bekam damit billiger Geld als Spanien zuletzt für ähnliche Titel. "Die große Masse des Interesses kam aus dem internationalen Bereich, es gab nur eine geringe inländische Beteiligung", sagte Owen Callan, der für die Danske Bank in Dublin an der Emission mitwirkte, der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Auch Spanien zapfte den Markt am Donnerstag an und lieh sich insgesamt 3 Mrd. Euro. Analysten sprachen von einem durchwachsenen Ergebnis: Während die Schuldenagentur für lange Laufzeiten höhere Zinsen als zuletzt bieten musste, kam sie bei Kurzläufern günstiger weg. "Am wichtigsten war, dass sie bei der Auktion angestrebte Summe komplett verkauften. Die Nachfrage war solide", sagte Zinsstratege Marc Ostwald von Monument Securities, der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Zehnjahrespapier war mehr als dreifach überzeichnet. Die Emissionsrendite von 6,43 Prozent entsprach dem Zins am Sekundärmarkt, lag allerdings über dem der vorherigen Auktion. Bei Anleihen mit Laufzeiten bis 2015 und 2016 sank hingegen die Rendite.
Irlands erster Schritt zurück an den Markt ist auch eine Vorgabe des 85-Mrd.-Euro großen Rettungsprogramms. Es sieht vor, dass das Land sich in diesem Jahr 3 Mrd. Euro leiht und das Volumen 2013 Stück für Stück hoch fährt, so dass es 2014 wieder vollständig über den Markt refinanzieren kann. Irland nutzt zugleich das nach dem EU-Gipfel weiter gewachsene Vertrauen der Marktteilnehmer. Es äußert sich in sinkenden Renditen, die in etwa auf das Niveau spanischer Staatsanleihen gefallen sind.
"Irland hat sich bei seinen Reformen recht gut geschlagen", sagte Zinsstrategin Lyn Graham-Taylor von der Rabobank der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Der Markt sagt sich: Irland ist möglicherweise auf dem Weg heraus aus dem Rettungsprogramm." Eine bis Oktober 2020 laufende irische Staatsanleihe rentierte am Donnerstag knapp unter sechs Prozent. Vor einem Jahr waren es noch rund 14 Prozent gewesen. Die Rendite für eine Anleihe spiegelt die Risiko-Einschätzung der Investoren wieder. Je höher sie liegt, desto risikoreicher wird das Papier von den Marktteilnehmern eingeschätzt.