Die Arbeitslosigkeit liegt auf Rekordhoch, die Wirtschaft schrumpfte in der ersten Hälfte 2012 - und doch verdichten sich die Anzeichen, dass Irland die Vertrauenskrise schon bald hinter sich lassen könnte. Die Risikoprämien für Staatspapiere sind inzwischen auf ein tragfähiges Niveau gefallen, Dublin muss mit fünf Prozent heute etwa so hohe Zinsen an Investoren zahlen wie Rom (siehe Grafik). Das erklärte Haushaltsziel, die Neuverschuldung in diesem Jahr auf 8,6 Prozent der Wirtschaftsleistung zu senken, ist erreichbar: "Die Haushaltsdaten für die ersten drei Quartale 2012 deuten darauf hin, dass der Fehlbetrag sogar noch geringer sein könnte", sagt Christoph Weil, Ökonom bei der Commerzbank.
Zwar ist Irland nicht in Sicherheit. Sollte die Euro-Krise noch einmal eskalieren, könnte sich das Blatt wieder wenden. Bereits im vergangenen Jahr hegten Optimisten erstmals die Hoffnung, dass die Erholung an den Finanzmärkten nachhaltig sein werde, - und wurden enttäuscht.
Doch heute sind die Indizien eindeutiger. Die Chancen steigen, dass der ehemalige keltische Tiger früher als geplant ohne fremde Hilfen auskommen kann: Laut Rettungsprogramm, das Irland als zweiter Euro -Staat nach Griechenland im November 2010 in Anspruch nahm, soll Dublin 2014 wieder ohne fremde Hilfe auskommen.
Im September verbuchte die Regierung sogar einen Überschuss im öffentlichen Haushalt von 346 Mio. Euro - im Vorjahr hatte es noch ein Minus von 37 Mio. Euro gegeben. In der Summe fiel das staatliche Defizit in den ersten neun Monaten des Jahres laut Commerzbank damit um insgesamt 1,6 Mrd. Euro niedriger aus als im Vorjahreszeitraum. Hält der positive Trend an, könnte der gesamte Konsolidierungsumfang in diesem Jahr sogar bei 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen - statt bei bislang veranschlagten 0,8 Prozent -, so Commerzbank-Experte Weil.
Hoffnung auf eine nachhaltige Entspannung hegen Fachleute vor allem wegen der erfolgreichen Ausfuhrwirtschaft. Die Lohnstückkosten sind seit 2008 europaweit am stärksten gesunken, das Land ist konkurrenzfähiger: Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Ausfuhren im Frühjahr um 274 Mrd. Euro. Der Leistungsbilanzüberschuss kletterte auf den höchsten Stand seit Einführung der Statistik 1981, wie das Statistikamt kürzlich meldete. Zwar stagnierte die Wirtschaft im Frühjahr nach einem Minus zu Jahresbeginn - aber die jüngsten Umfragen unter Einkäufern deuteten in dieser Woche erstmals wieder auf Wachstum hin. "Irlands Wirtschaft steht vergleichsweise gut da", sagt Christian Schulz, Ökonom bei der Berenberg Bank. Probleme bereitet wegen der hohen Arbeitslosigkeit von fast 15 Prozent jedoch noch immer die schwache Binnenkonjunktur.