Österreich macht sich dafür stark, Griechenland mehr Zeit zur Krisenbewältigung zu geben. Während sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Wirtschaftsminister Philipp Rösler am Wochenende erneut dagegen aussprachen, dem Mittelmeerland weitere Zugeständnisse zu machen, befürwortete der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann, den Griechen mehr Zeit zu geben.
Die Krise und die Arbeitslosigkeit in Griechenland seien so groß, dass "sie es ohne Zahlungsaufschub nicht schaffen werden", sagte Faymann in einem am Sonntag veröffentlichten Interview dem Onlineportal der Tageszeitung "Österreich". "Das kann ein Aufschub von zwei oder drei Jahren sein - das sollen die Experten entscheiden."
Für den Verbleib des Landes in der Euro-Zone gab sich Faymann optimistisch: "Ich sehe ganz gute Chancen, dass wir mit Griechenland zu einem Ergebnis kommen, dass die Griechen sich an ihre Vereinbarungen mit der EU halten, dafür aber mehr Zeit für die Rückzahlung ihrer Schulden bekommen." Das Wichtigste sei, dass die Griechen ihre mit "uns vereinbarten Reformen und Sparziele einhalten". "Wenn das garantiert ist, befürworte ich einen Aufschub bei der Rückzahlung."
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich bei dem Treffen mit dem griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras ebenfalls für einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone ausgesprochen, aber keinen Hinweis auf weitere Zugeständnisse gegeben. Vor einer Entscheidung müsse der Bericht der Troika-Experten aus EZB, IWF und EU-Kommission, abgewartet werden, sagte sie.
Der Bericht soll im Oktober vorliegen. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler sagte im ZDF, Griechenland müsse alle Reformvereinbarungen eingehalten. Auch ein Zeitaufschub sei nicht machbar, weil mehr Zeit immer auch mehr Geld bedeute. Ähnlich hatte zuvor auch Schäuble argumentiert.